Zwischen Turin und Sanremo. Einschwingen in die Frequenz des Lebens

Wir sind wieder auf Reisen. Endlich. Auf Reisen zu sein, ist ein ganz eigener Modus. Reisen ist Unterwegssein. Reisen birgt Überraschungen. Sucht sie vielleicht sogar. Und unser Reisen wird tendenziell abenteuerlicher in den letzten Jahren. Insofern wir meist nur noch eine sehr grobe Vorstellung haben, wo es uns hinzieht. Für diese fünf Tage wussten wir nur, dass wir gerne nach Italien wollen und ans Meer. Und dass es über den Bodensee und die Schweiz gehen soll.

Unser erster Blick auf die Mole Antoniellana, das Wahrzeichen von Turin.

Über Nacht vorm Bäckerladen

Am Dienstagabend sind wir noch bis kurz hinter den Bodensee und haben auf einem Parkplatz im Auto übernachtet. Wissend, dass der Bäcker hier schon um 6:30 Uhr öffnet und ein tolles Frühstück bereithält. Wir haben hervorragend geschlafen und lecker gefrühstückt. Sind bei schönem Wetter über den San Bernadino und haben die spektakulären Aussichten dieser Strecke genossen. Dann hat es uns nach Torino gezogen. Dort waren wir noch nie.

Torino

Mailand, Verona, Venedig, Siena, Firenze, Roma: Ja, jede*r weiß, dass das tolle Städte sind. Immer schon wieder mal haben wir in den letzten Jahren an Turin gedacht. Jetzt waren wir dort für zwei halbe Tage und eine Nacht. Es ist wie oft bei mir: Aus dem Stadtbild selbst nehme ich kaum Bilder mit. Aber von zwei Cafés. Das, wo es das beste Gianduia-Eis (eine Spezialität der Stadt!) gibt und das, wo der Bicerín erfunden wurde – eine leicht süße Kaffee-Spezialität mit viel Schokolade und einer Sahneschicht oben drauf.

Al Bicerín

Ein Getränk wie eine Mahlzeit: der Bicerín.

Den Bicerín gibt es überall in der Stadt, in jedem Café. Und überall kostet er um die fünf Euro. „Im Al Bicerín wird er dann sieben Euro kosten“, hab ich noch zu Nicki gesagt. Und genau so war es. Kopfschüttelnd und lächelnd zugleich haben wir ihn dennoch bestellt. Mit einer kleinen gemischten Platte Biscotti dazu. Für dann 9,80 EUR eine gar wundervolle Kombination. „Umrühren ist verboten“, hieß es schon in dem Reismagazin, das uns noch vor der Reise in die Hände gefallen war. Und auch die Signora, die uns den Bicerín bringt, mahnt uns unmissverständlich: „Don’t mix-e!“ Tatsächlich schmeckt der Schluck dieses köstlichen Getränks am besten, wenn die dickflüssige heiße Schokolade mit der leichten Kaffeenote durch die Sahneschicht hindurch in Mund und Gaumen gelangt.

Pizza fritta

Am Abend essen wir in der Trattoria gleich gegenüber unseres gleichzeitig schlichten **Hotels, das uns ganz gemäß seinem Namen „Ai Savoia“ in allen Räumen mit viel Stuck doch so mondän gegenübertrat (die Savoyer haben die Stadt über Jahrhunderte geprägt). Als ich auf die Speisekarte der Trattoria schaue, traue ich meinen Augen kaum: Hier gibt es tatsächlich diese Pizze fritte, von denen ich mit Interesse auch schon in dem erwähnten Reisemagazin gelesen hatte – als einer neuen Spezialität der Napolitanischen Küche. Aber wir sind doch in Turin!? Tatsächlich stellt sich heraus, dass der Restaurantbesitzer aus Napoli ist und diese Wurzeln auch in seine Küche einfließen lässt. Natürlich hab ich Pizza fritta bestellt. Auf Empfehlung des Signore die mit Ricotta und Salami.

Eine Pizza wie ein Schnitzel: Pizza fritta, der neueste Pizza-Trend aus Napoli.

Synchronizitäten

Ich liebe solche Gleichzeitigkeiten des Lebens. Synchronizität ist der Fachbegriff dafür, hab ich gelernt. Du denkst oder liest etwas und im gleichen Moment geschieht es. Völlig unerwartet? Unerwartet vielleicht, aber letztlich ist es so etwas wie das Geheimnis des Lebens: In Verbindung zu sein. Ganz da sein. Bei sich selbst und gleichzeitig in Kontakt mit dem, was dich umgibt. Es ist eine beglückende Erfahrung der Einswerdung: Das zu denken und zu sein, was gleichzeitig auf dich zukommt.

Doing nothing al mare

Gerade eben habe ich es schon wieder erlebt. Ich lese in dem wunderbaren Buch „Doing nothing“ von Rani Kaluza. Und erlebe mitten im Lesen genau das, was sie beschreibt bzw. was passiert beim Nicht Tun.  Während ich lese, kommt die Sonne heraus. Von links flutet sie vom Meer her über den Strand auf meine linke Hand, deren Finger über die Tasten des Laptops wandern. Ich sitze mit Nicki, meiner liebsten Reise- und Lebensbegleiterin in einem Strand-Café irgendwo zwischen Monte Carlo und Sanremo. Der Geschmack von Espresso ist noch auf meiner Zunge. Vom Tisch hinter mir her höre ich Italienisch. Ich liebe diese Sprachmelodie und den Klang der Wörter. Vom Strand her dringen das Rauschen der Wellen und die Stimmen von Kindern an mein Ohr. Der Strand ist quasi leer. Bis eben war es diesig und es hat länger geregnet. Es ist nicht nasskalt, wie ich es von daheim kenne, wenn solches Wetter ist. Es ist warm und jetzt heizt die langsam durchdringende Sonne zusätzlich die Luft an. Ich ziehe mein Hemd aus und komme ganz an in diesem Gefühl von Sommer, Sonne, Meer.

Sommer, Sonne und Meer. An der italienischen Riviera nähe Sanremo.

Frequenz

Ich schaue auf das Meer hinaus, spüre, wie ich mich fühle und gehe mit allen Sinnen mit dem in Kontakt, was mich umgibt. Ich schwinge ein in die Verbundenheit des Lebens. Es ist das, was ich in den letzten Monaten immer wieder unter dem Begriff „Frequenz“ entdeckt habe: Ich treffe auf Menschen, auf Dinge, auf Situationen und spüre, dass da die gleiche Frequenz ist wie bei mir. Natürlich geht mir da „das Herz auf“. Ich fühle mich richtig. Glücklich.

Die Zeit ist reif

Innehalten und gegenwarten. In mir daheim sein und gleichzeitig wach für das um mich herum. Verbunden mit dem, was mich umgibt. In solchen Momenten ist „die Zeit reif, sich hinzusetzen und aufzuhören“ (Rani Kaluza, ebd. S. 178).

Stundenlang einfach im Strandcafé sitzen. BIs die Sonne untergeht. Keine Zeitverschwendung sondern im Gegenteil „geweihte Zeit“, wie Rani Kalzua das nennt. – Alle Fotos privat.

Innehalten und gegenwarten, bei sich ankommen und gleichzeitig ganz aufgeweckt sein für die Umgebung: Menschen, Situationen, Natur – diese Erfahrungen halten auch unsere Auszeiten/Retreats bereit: Von 14. bis 16. Juni auf Gut Hötzing und von 10. bis 17. September auf der griechischen Insel Lesbos. Alle Infos dazu unter http://www.cordat.org. Wir freuen uns auf eine Begegnung von Herzen!

2 Kommentare zu „Zwischen Turin und Sanremo. Einschwingen in die Frequenz des Lebens

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