Für Harry zum 50. Und für unsere wundervollen Gefährt*innen.
Was war das für eine unglaublich traumhafte Zeit mit euch! Diese Pilgerreise wird mir so lange in meinem Herzen bleiben; ja, sie wird mir mein ganzes Leben in meinem Herzen bleiben. (Stimme einer Gefährtin auf dem Pilgerretreat 2026)
Unsere Pilgerretreat auf dem Franziskusweg in Italien hat die Teilnehmenden sehr bewegt. Andrea, Kinderkrankenschwester aus München, war diejenige, die uns vor ihrer Anmeldung zum Pilgerretreat als einzige noch gar nicht kannte. Ihre Freundin Bärbel, die bei Nicki Teilnehmerin in einem Seminar für Führungskräfte gewesen war, hatte sie dafür gewonnen, mit ihr zusammen mitzugehen.

Wie bereite ich mich vor?
Für fast alle Teilnehmenden war es das erste Mal, dass sie sich zu Fuß auf eine solche Pilgerreise begeben haben. Mit einem ausführlichen Informationspaket und einem Vortreffen haben wir alle versucht, so gut wie möglich vorzubereiten. Dazu gehörten auch Angaben zur Größe des Rucksacks, eine Packliste und (dringende) Empfehlungen hinsichtlich des Gewichts. Die Wahrheit ist, dass am Ende jede*r selbst entscheidet, welchen Rucksack er oder sie packt, was und wieviel sich darin befindet.

Anreisen, ankommen, losgehen
Wir haben uns vor Ort Zeit genommen, in Ruhe anzukommen. In Assisi, der Stadt des Heiligen, der dem Weg seinen Namen gibt. Wir haben uns darauf eingestimmt, dass es um mehr oder gar um anderes geht, als so und so viel Kilometer täglich zu gehen und irgendeine Streck zu „schaffen“ oder gar zu „bewältigen“. Wir wollen gar nicht weggehen und auch nicht von A nach B kommen. Wir gehen vielmehr um anzukommen. Nämlich bei uns selbst. Bei unsren Themen, (offenen) Fragen. Mit uns selbst in Fluss kommen. Gehen, um mit dem eigenen Leben in Flow zu kommen.
Anschwitzen, Höhe gewinnen, Weite erleben
So sind wir nach dem Anreise- und dem Ankommtag am dritten Tag in unsere erste Tagesetappe gestartet. Und gleich die erste Stunde war für alle ein persönlicher Gradmesser. Zum ersten Mal unter Realbedingungen den Rucksack geschultert und gleich mit ordentlicher Steigung hinauf zum Eremo delli carceri an den Hängen des Monte Subasio, die Einsiedelei vor den Toren der Stadt, die dem Heiligen so besonders lieb war. Und weiter hinauf auf den Monte, heraus aus dem Wald, Höhe gewinnend – und Ausblick: diese unglaubliche Weitsicht, die uns fast den ganzen Weg nach Rieti begleiten würde.

Momente der Offenbarung
Spätestens jetzt wurde offenbar, wer sich vielleicht zu viel aufgeladen hatte und wie es um die Fitness der Gruppe stand. Tatsächlich gab es erste Zweifel in manchen Gesichtern, ob das „gut geht“. Und doch haben nach diesem ersten Schock sich alle Teilnehmenden gut eingefunden. Manche*r lässt im Lauf der Tage Gepäck los, andere beißen sich mit ihrem Zuviel durch. Und natürlich ist das ein Spiegel des ganzen Lebens: Wieviel auch Seelen-Gepäck schleppe ich eigentlich Tag für Tag mit mir herum? Könnte ich mein Leben wie das Gehen nicht leichter gestalten, indem ich Last abwerfe?
Sonder-Support von Harry: Mr. Trekkingladen, Regensburg, Bayern

Dass am Ende alle ihren Weg gehen und keine*r abbrechen muss, ist eine Sammlung von guten Umständen. Und trägt auch die Handschrift unseres heimlichen Coachs, Beraters, Experten: The one and only Harry, Mr. Trekkingladen, Regensburg, Bayern. Er hat schon bei unserem Vorbereitungstreffen wichtige Tipps zur Ausrüstung gegeben. Er hat dafür gesorgt, dass nicht noch größere Rucksäcke gekauft, die neuen und auch schon vorhandene Rucksäcke angepasst wurden; er hat Empfehlungen zu den Schuhen gegeben, zu den Stöcken, Sonnenschutz und zur Funktionskleidung allgemein. Immer wieder hat er manche*n Teilnehmende*n noch vor der Tour motiviert, Bedenken zerstreut und schließlich während der Tage mitgefiebert. Und so haben wir ihm on Tour eine Strophe unseres Pilgerliedes gewidmet.

Andiamo, andiamo
mia gengan den Cammino,
mia packen jeden Steig,
mitm Harry seim super Zeig,
seim super Zeig!
(Strophe aus unserem Pilgerlied)
Vom Wert, auch in der Tagesplanung geschmeidig zu bleiben
Letztlich hat die Gruppe zu einem gemeinsamen Tempo und auch zu einem für alle stimmigen Tagespensum gefunden. Gleichzeitig haben wir, Nicki und Christian, die Tagestouren sukzessive angepasst. Weil wir dem gemeinsamen Tempo der Gruppe gerecht werden wollten – und dem Wetter. Ähnlich wie im letzten Jahr erlebte Umbrien ein relativ langes kühles und regnerisches Frühjahr und ähnlich explodierte das Wetter nun plötzlich in Richtung Sommer-Hitze. Inklusive Gewitterneigung. Deshalb ordern wir an einem Tag ungeplanterweise Taxis nach gut der Hälfte der geplanten Strecke, glauben am nächsten Tag an den Bus, um die Tagestour abzukürzen – und bitten, ziemlich bald nach dem Ende des Busabschnitts, telefonisch zusätzlich noch unsere nächsten Gastgeber, uns aus dem Gewitterhagel und Blitz und Donner zu holen.

Von meiner Seite kann man es nicht besser machen – so wie ihr uns geführt habt, wie ihr auf die Gruppe eingegangen seid, so wie ihr wieder umgeplant habt, weil bestimmte Wege dann doch vielleicht zu schwer wären oder waren. Und das kann man nicht planen, das ist dann einfach die Planung vor Ort. Das habt ihr einfach so großartig gemeistert. (Stimme einer Teilnehmerin)

Abenteuer Pilgern
Schön zu erleben war, wie sich diese durchaus für einige Minuten chaotische Situation in einen ausgelassenen Feier-Abend hinein auflöste. Überhaupt waren es gerade die ungeplanten Dinge, die die Gruppe in den Abenteuermodus versetzte. Und genau das durfte der Pilgerretreat auch sein: kein Wellnesswandern sondern ein Abenteuer mit Ähnlichkeiten und gar nicht so frei erfundenen Bezügen zum realen Leben der einzelnen.

Und die besonderen Momente (Anmerkung: danach hatten wir gefragt)? Also eigentlich war alles ein besonderer Moment – aber natürlich genial war schon das Singen in der Kirche, das war sehr beeindruckend. Ich bin jetzt nicht die Sängerin, aber das hat soviel Energie und Kraft gegeben. Oder das Singen auf dem Weg, wenn‘s schwer wurde; wenn Steve oder Christian Maria die Gitarre in die Hand genommen haben und wir einfach auf dem Weg gesungen haben – was ich mir nie hätte vorstellen können – das hat echt so viel Spaß gemacht. Und eigentlich hat alles Spaß gemacht. Das Essen in der Küche, die ganzen Orte, die ihr da für uns herausgesucht habt, die wir da erlebt haben, die einsamen Dörfer oben am Berg, diese Aussicht, diese Weite … Es war eine unbeschreibliche Zeit.
Singend unterwegs
Jede Tagestour auf diesem Abschnitt des Weges ist anders und jede Unterkunft auch. Gesungen haben wir nicht nur in den Kapellen, was unsere Teilnehmenden tief berührt hat. Auch Durststrecken auf dem Weg haben wir selbst dichtend und auf bayerisch singend überwunden:

Andiamo, andiamo
mia gengan den Cammino.
Mia holtn alle zam,
Pellegrini is unser Nam,
is unser Nam.
(weitere Strophe aus unserem Pilgerlied)
Der franziskanische Moment
Der Pilgerretreat hat die Herzen der Teilnehmenden berührt. Und Krafträume und -momente kreiert, die weit über diese Zeit hinauswirken. Der vielleicht franziskanischste Moment war das wie selbstverständliche Zusammensein von Hunden, Katzen und Menschen im Heiligtum („Santuario“) von Santa Maria della Foresta.

Nach unserem Abschlussritual draußen auf dem weitläufigen Gelände fanden wir drinnen Zuflucht vor dem zum zweiten Mal hereinbrechenden Gewitter. Hier in diesem so schlichten wie mystischen Raum saßen, lauschten und sangen wir als gemeinsame Wesen der Schöpfung versammelt.

Eines muss ich noch erzählen. Bärbel und ich, wir saßen gestern vor der Tür aufm Bankerl und dann haben wir auch schon wieder an die Reise gedacht. Das ist so ein Kraftort gewesen, diese Reise allgemein. Es war so schön. Und wenn wir traurige oder schwere Momente haben, dann daran zu denken, da kann man wirklich Kraft schöpfen. Das ist so unglaublich.
(noch einmal ein O-Ton von Andrea)
Zurück im Takt des Lebens

Das intensive Erleben der Elemente, das geerdete Gehen auf den Pfaden, Wegen und Straßen im Apennin, das Atmen der Berg- und Waldluft über die vielen Stunden des täglichen Gehens, das Wasser der Nera und des Velino, der Cascatta delle Marmore und das erfrischende Nass zur Abkühlung und zum Löschen des Durstes, das Sonnenlicht und das Wiederfinden des Feuers tief in unseren Herzen, die Sehnsucht nach Einfachheit, nach dem Wenigen, das es wirklich braucht und gleichzeitig nach dem Reichtum des Verbundenseins mit sich selbst, zu den anderen hin in der Gruppe der Gefährt*innen und im großen Ganzen des Lebens, all das hat uns alle gleich einem Kompass eingenordet und in den Takt des Lebens zurückgeführt.
Das ist auf jeden Fall ein Museumstag, das ganze Paket. Und ich wollte euch noch sagen, was für wunderbare traumhafte liebenswerte Menschen ihr seid.“ (Andrea)
Es ist also nicht verwunderlich, dass diese Erfahrung (nicht nur) bei Andrea einen Platz im „Museum des Lebens“ bekommt. Dort also, wo wir die wesentlichen Momente sammeln. Die, die uns wirklich bewegt haben und die für die wertvollste Lebenszeit stehen. Was kommt in dein Museum?

