Ypsilon. Vom Geheimnis eines Buchstabens

Wild prasselt der Regen auf die kreisrunde Glasscheibe in der Mitte des kuppelförmigen Dachs. Heftig trommeln die Tropfen auf die Plane, die die Yurte vor zu viel Nässe schützt. Beinahe ohrenbetäubender Sound. Jetzt wird der Regen sanfter. Es sind nur noch einzelne Töne verteilt auf dem Dach zu hören.

Ich liebe den Weg vom Apfelgarten zur Yurte. – Fotos, wenn nicht anders vermerkt: Christian Heitzer-Balej

Energie sammeln

Ganz hinten im Eck des weitläufigen Grundstücks steht sie. Die Yurte fungiert wie ein Stopsel, hat jemand gesagt, der sich mit dem Energiefluss hier auf dem Gelände befasst hat. Von der tausendjährigen Eiche über das tausendjährige Schloss bis zur Yurte gibt es energetisch eine Linie. Die Yurte hilft, dass die Energie nicht abfließt. Tatsächlich spürt, wer aufmerksam die Yurte betritt, darin förmlich gesammelte Energie. Wie eine Badewanne, wie ein Behälter.

Nicole Katharina mit einer Tasse Kaffee auf den Stufen vor der Yurte.

Energie halten

Wer sie zum ersten Mal sieht, auf den wirkt sie wie ein Raumschiff oder mehr noch wie eine Raumkapsel. Vielleicht ist sie wirklich ursprünglich von einem anderen Planeten. Sie fügt sich farblich in die Grün- und Brauntöne der Wiese und der Bäume drumherum. Sie ist unscheinbar und dennoch voll kraftvoller Präsenz. Wo ich sie so anschaue, während ich im Garten sitze und schreibe, fällt mir auf: Sie hat sogar die Form eines überdimensionalen Stopsels. 

Nicole Katharina im Yurten-Garten.

Das Ypsilon in Yurte und Yoga

Neuerdings schreibe ich „Yurte“ mit einem „Y“. Zuvor habe ich sie immer mit einem „J“ geschrieben. Als uns kürzlich eine Bekannte schrieb, die wir erst kennen gelernt haben und die selbst zeitweise in einer lebt, hat die es mit „Y“ geschrieben. Das ist mir gleich aufgefallen und ich habe es übernommen. Gerade, da ich mich damit befasse, merke ich, dass mich „Yurte“ jetzt an „Yoga“ erinnert. Das „Y“ ist ein besonderer Buchstabe. Er verkörpert geradezu das komplette Wort „Yoga“: Joch – oder sollte ich „Yoch“ schreiben? Yoga steht für Verbindung steht. Wie ein „Y“, wie ein Joch/Yoch verbindet es zwei wesentliche Elemente des Menschen: die Geist-Seele (= den Ochsen) mit dem Körper (= dem Pflug). Yoga führt beides zusammen. Das Stoffliche und Geistige. Das Formelle und das Formlose. Materie und Geist.

Anbindung war für mich kürzlich auch in dieser spektakulären Kirche auf der griechischen Insel Lesvos zu spüren.

Der Buchstabe der Verbindung

Die Yurte sammelt, bindet nicht nur Energie. Sie verbindet auch. Menschen etwa, die sich darin versammeln. Einmal sind wir mit fast 20 Leuten darin gesessen. Da hat man sofort gespürt: Das ist die Aufgabe einer Yurte, Menschen zu sammeln, Menschen zu verbinden. Die kreisrunde Form – und der Holzofen, das Feuer, das sich eigentlich in der Mitte befinden müsste, in dieser Yurte aber am Rand platziert ist. Und die Yurte hat etwas Mystisches. Wer sie betritt, betritt einen heiligen Raum. Die Yurte ist wie ein Tempel. Wer hier wohnt, wohnt in göttlicher Umgebung. Da fällt mir auf: Auch in „Mystik“, „Mysterium“ und „Mythos“  steckt dieses „y“. Ja das „y“ verbindet.

Schon die Linienführung des Buchstabens Y zeigt, von oben nach unten gelesen, die Verbindung zweier Elemente zu einem Ganzen. – Photo by Jill Burrow on Pexels.com

Und“ und „warum“

Im Spanischen ist „y“ sogar ein ganzes Wort. Und es bedeutet – wie könnte es anders sein: und. Im Englischen wird der Buchstabe „Y“ wie „why“ ausgeprochen. Hier steht der Buchstabe also quasi für die Frage „warum?“ John Strelecky hat dazu seinen Bestseller „The why-Café“ geschrieben, zu Deutsch: „Das Café am Rande der Welt“. Und natürlich ist auch die Frage nach dem „warum“ schon ein Schritt der Verbindung: Von der Gegenwart zur Vergangenheit, von mir zum anderen. Der Schritt der Anbindung: vom Diesseits zum Jenseits.

Das Ypsilon als Berufung

Im wahrhaft Menschlichen ist immer zugleich das Göttliche. Gott wohnt mitten in den Fragen, in der Liebe der Menschen, der Güte, dem Frieden, der Freude, dem Glück, in dem sich die Menschen erleben oder wiederfinden. Menschen zu sammeln und zu verbinden, einen Raum guter Energie zu schaffen, Wärme zu verbreiten, Liebe und die Verbindung nach oben bzw. zum Göttlichen, das sind auch unsere Aufgaben – so etwas wie die Berufung von Nicole Katharina und mir als Paar. Insofern sind wir mit der Yurte und dem Yoga ziemlich richtig.

Am kommenden Donnerstag startet ein neuer Yoga-Kurs von Nicole Katharina auf Gut Hötzing. Erstmals verbindet sie hierbei die tiefe Kraft des Yin Yoga mit sanften und nicht weniger kraftvollen Yoga-Flows. Es gibt noch freie Plätze! Noch mehr Raum für gute Energie und Verbundenheit gibt es bei unserer Auszeit auf Gut Hötzing vom 3. bis 5. Oktober. Alle Infos und mehr über uns unter www.cordat.org!

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