Großes wagen

für Theresa und Jens

Wir sitzen in den Startlöchern. Und jetzt kann es endlich losgehen, das große Abenteuer hier! Das ist das Gefühl in mir in diesen Tagen. Draußen toben heftige Stürme. Die Jurte zittert und ist erfüllt vom Tosen des Windes. Dann plötzlich ist es wieder ganz ruhig. Auf das Prasseln des Regens folgt unerwartet das Sonnenlicht, das von oben zentral den kreisrunden Raum erleuchtet. April-Wetter im Februar. Ich liebe es: das Vibrieren der Elemente, die Kraft, die Unerwartetheit, diese unübersehbare und unüberhörbare Lebendigkeit der Natur. Es ist als würden diese Vorfrühlingsstürme den Winter in die Flucht schlagen wollen. Und so wie die Natur im Außen stellt sich mir die Natur auch im Inneren dar. Im Öffentlichen wie im Privaten. Schluss jetzt mit der depressiven Beschränkung, der distanzierten Kälte und der verordneten Enge. Auf in eine neue Freiheit und in das Leben, das von vorne kommt!

Das mittig ausgerichtete runde Fenster in der Jurte, in der wir wohnen dürfen, erinnert mich an die Rotonda des Pantheon in Rom – mein Lieblingsgebäude in der ewigen Stadt. – Foto: Christian Heitzer-Balej

Die Bewusstseinskräfte stärken

Der Tod von Götz Werner, diesem visionären Unternehmer, geht mir weiter nach. (Ich hatte im letzten Blogbeitrag schon über ihn geschrieben.) Ich habe mir noch einmal das Interview angeschaut aus dem Film „From Business to Being“. Und dabei ist mir aufgefallen, dass er genau das als die Aufgabe unserer Zeit beschreibt, was wir als unsere Mission von cordat herzensbildung erkannt haben. Nach der Entwicklung der Vernunft, der ratio als Aufgabe früherer Epochen gehe es nun darum „die Bewusstseinskräfte zu stärken und die Liebe zu entwickeln“. Bewusstheit kultivieren; wahrnehmen, was ist, während es geschieht und möglichst ohne zu werten; das verstehen wir mit Jon Kabat-Zinn unter Achtsamkeit. Ist dann, was Götz Werner beschreibt, nicht genau das, was wir mit „Achtsamkeit & Herzensbildung“ meinen? Oder als „achtsam sein & herzwärts leben“ in den Infinitiv setzen?

Cordat goes Hötzing. Zunächst für ein Jahr. Wir wollen unseren Beitrag leisten für das Große, das hier gewagt wird. – Foto: Christian Heitzer-Balej

Sich ein Herz fassen

Während gerade große Vorbilder und Beispielgeber wie zuletzt Thich Nhat Hanh und nun Götz Werner die Bühne dieses Lebens verlassen, ist es nun an uns, die Arena zu betreten. Es ist unsere Aufgabe, uns jetzt ein Herz zu fassen und in die Mitte zu gehen. So hat es ein wunderbarer Freund kürzlich formuliert. Es ist nicht mehr die Zeit, sich irgendwo hinten in den Zuschauerrängen zu tummeln. Nach vorne gehen jetzt. Uns stellen. In die Mitte gehen. In die Arena.

Großes wagen

„Großes wagen“, hat es Brené Brown genannt. „Dearing Greatly“ lautet der englische Originaltitel ihres vor gut 10 Jahren erschienenen Buchs, das im deutschen Titel „Verletzlichkeit macht stark“ heißt. Sie ist Professorin am Graduate College of Sozial Work und bezeichnet sich selbst als „Scham- und Empathie-Forscherin“. (Ich danke an dieser Stelle meinem Zwillingsbruder Steve für das Geschenk dieses tollen Buchs!) Vor mehr als zehn Jahren schon schreibt sie etwa diese bemerkenswert aktuellen Sätze:

Wir sind es langsam überdrüssig, Angst zu haben. Wir wollen stattdessen lieber etwas Großes wagen. Wir sind die allenthalben stattfindenden Diskussionen leid, die sich darum drehen, wovor wir uns fürchten sollten und wer die Schuld an was auch immer haben könnte. Wir alle wollen lieber unerschrocken in die Zukunft blicken

Brené Brown, Verletzlichkeit macht stark. Wie wir unsere Schutzmechanismen aufgeben und innerlich reich werden. München 92017, S. 31.

Alle Geschlechter und Generationen, die dieses Gut um das Schloss herum bewohnt haben, haben Großes gewagt. Es ist ein großartiger Ort, der immer wieder neu beherzte Menschen braucht. – Foto: Christian Heitzer-Balej

Stark ist, wer sich verletzlich zeigt

Wer die Arena betritt, macht sich unweigerlich verletzlich. Das ganze Buch von Brené Brown steht auf dem Boden der berühmten Rede von Theodore Roosevelt aus dem Jahr 1910 – mit dem zentralen Gedanken: The Credit Belongs to the One in the Arena.

Die Anerkennung gehört dem, der wirklich in der Arena ist; … der sich tapfer bemüht; der irrt und wieder und wieder scheitert; der die große Begeisterung kennt, die große Hingabe, und sich an einer würdigen Sache verausgabt; der, im besten Fall, am Ende den Triumph der großen Leistung erfährt; und der, im schlechtesten Fall des Scheiterns, zumindest dabei scheitert, dass er etwas Großes gewagt hat.

Theodore Roosevelt (gefunden ebd. S.11)

Für die Gladiatoren der Antike ging es um Leben und Tod. Heute begeistern musikalische Gladiatoren die Menschen. Wer in die Arena steigt und die Bühne des Lebens betritt, macht sich verletzlich. – Foto: Nicole Balej

Der Mensch braucht Sog!

Götz Werner hat es mit seinem Unternehmen dm „geschafft“. Er hat den „Triumph der großen Leistung“ erfahren. Was mich dabei besonders fasziniert: Er ist ein Unternehmerleben lang eingetreten für das bedingungslose Grundeinkommen. Dabei ist er immer wieder gefragt worden, ob denn der Mensch nicht den „Druck“ brauche. Den Druck, seinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen. So wie der Schüler den Druck braucht in der Schule, damit er sich bemüht. Damit er was lernt. Und wie die Mitarbeiterin, die den Druck braucht, damit sie nicht faul ist und was tut. Unvergessen Götz Werners Antwort: Der Druck ist vom Teufel. Der Mensch braucht keinen Druck sondern Sog. Unter Druck entsteht nichts Substanzielles. Sein wirkliches Potenzial entfaltet der Mensch nicht unter Druck. Dazu braucht er Sog. Nur mit Sog entsteht Großes!

Auf in die Arena!

Die Arkaden der Arena di Verona. Wir alle, jede*r für sich, ist aufgerufen, beherzt die Arena seines Lebens betreten. – Foto: Nicole Balej

Unsere Gutsleute hier, Theresa und Jens, wollen hier auf dem Gut Großes wagen. Und Nicki und ich bringen uns hier ein mit dem, was wir sind und was wir können. Wir haben Sog. Noch vor Ostern werden wir hier unsere Seminar-Erfahrung in erste Formate umsetzen. Jetzt darf es losgehen! Vor sieben Jahren haben Nicki und ich zu unserem privaten Mut schon einmal auch beruflich Großes gewagt. Wir sind doppelt in die Arena getreten, in die Mitte und haben uns verletzlich gemacht. Jetzt wollen wir die zweite Stufe zünden und unseren Beitrag leisten, hier auf diesem wundervollen Gut im Grünen einen Ort des guten Lebens zu kreieren. Mit unseren Seminaren, Trainings und Retreats in den Menschen „die Bewusstseinskräfte stärken und die Liebe entwickeln“. Den Sog in den Menschen wecken, sich selbst zu trauen, Großes zu wagen. Nur Mut, Courage, wollen wir den Menschen zurufen. Sich ein Herz fassen und in die Mitte gehen. Auf in die Arena des Lebens!

Um die Bewusstseinskräfte zu stärken und die Liebe zu entwickeln haben wir das Format „Achtsam sein & herzwärts leben“ entwickelt. Es ist unsere Grundausbildung zu Achtsamkeit und Herzensbildung. Zugleich ist es das Basis-Modul in unserer Ausbildung zum h.e.a.r.t COACH. Der Kurs „Achtsam sein & herzwärts leben“ und damit die nächste Ausbildungsgruppe startet mit einem ersten Praxistag am Sonntag, 3. April auf Gut Hötzing. Wir freuen uns riesig darauf! Alle Informationen dazu hier. Infos zu unseren Retreats auf Gut Hötzing und weiteren Veranstaltungen unter www.cordat.org!

Unser Format „Dem Herzen folgen“ steht für das Thema „Großes wagen“. Wer (endlich) sein Herzensthema bzw. Herzensprojekt anpacken möchte oder (noch) nicht genau weiß, was eigentlich sein großes Herzensthema ist, kann sich hier auf eine mehrmonatige Begleitung freuen, um Schritt für Schritt sein bzw. ihr „Ding“ zu entwickeln und umzusetzen.  Der Kurs „Dem Herzen folgen“ ist gleichzeitig unser Spezial-Modul der Ausbildung zum h.e.a.r.t COACH und startet mit einem Praxistag am Samstag, 23. April! Mehr unter www.cordat.org oder direkt hier!

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