Das Gute liegt so Ferni. Zwei Herzensmenschen und ihr solidarisches Landwirtschaftsprojekt

Eigentlich wollen wir nur für unsere Freunde das Gemüse abholen. Die sind nämlich „Mit-Bauern“ in der Solawi und gerade im Urlaub. Und wir kümmern uns um ihre Pflanzen auf der Terrasse. Wobei: Schon als uns gesagt wurde, dass wir dann am Freitag das Gemüse in Ferneichlberg abholen müssten, haben wir große Ohren bekommen und uns gefreut, den Hof und die dahinter stehenden Leute kennen zu lernen.

Kleine Weltreise von der Stadt auf das Land

Wir dachten, es sollte kein Problem sein, wenn wir um 15 Uhr unsere Weiterbildung abschließen, die paar Kilometer aus der Stadt raus zu fahren und spätestens um 17 Uhr vor Ort zu sein. Doch es ist Freitagnachmittag. Und am Pfaffensteiner Tunnel ist Ende Gelände. Die Ampel auf Rot und sogar eine Schranke runter, von der ich bisher nicht mal wusste, dass es die gibt. Also wieder runter von der Autobahn und im Stop and go Meter um Meter. Was sich allerdings abzeichnet: Das wird nix mehr bis 17 Uhr. Ich bitte unsere Freunde um den direkten Kontakt, um abzuklären, ob wir auch später noch kommen können. „Koa Problem“ sagt schließlich der Michl am Telefon. „Mia san auf jeden Fall bis Sechse do.“ Das schaffen wir. Und als wir gegen 17:30 Uhr dann tatsächlich vor Ort sind – so nah zu Regensburg und doch 100 Prozent ländliche Idylle und eine Ecke, wo ich bisher noch nie gewesen war, zeigt er uns das grüne Solawi-Reich von ihm und seiner Liebsten Sophie. Ob wir nicht was trinken wollen, als „Entschädigung“ für diese Weltreise. Er bringt uns ein Bier vom „Berghammer“ aus Oberndorf mit dem Hinweis, dass es in Zeitlarn im August ein Festl gibt, wo neben dem Berghammer-Bier auch sie beide von der Solawi dabei sind und ihre Waren anbieten. Und da Sophie eh gern noch ein Hof-Café hätte, trinken wir zusammen schon mal auf die Hofcafé-Idee.

Wahrhaftige „Lebens-Mittel“

Farben und Formen satt: ein Feuerwerk für die Sinne

Wir sehen das Gemüse, das für die Mitbauern bereit liegt – wahrhaftige „Lebens-Mittel“. Wir staunen über ihre Lebendigkeit und Kraft, die wunderbaren Formen und die strahlenden Farben des Mangolds, der Karotten und Zucchini, der Petersilie und des Salats. Wir spüren die klimatisierend wirkende Kühle der alten Hofgebäude. Und wir lauschen dem, was Sophie über ihren Werdegang der letzten Jahre erzählt, der sie als Gemüsegärtnerin und an der Seite ihres Michls hierher an seinen (Groß-) elterlichen Hof geführt hat. Und findens einfach klasse, wie das hier mit der solidarischen Mit-Bauernschaft funktioniert. Wie einfach und unkompliziert und wie wunderbar direkt und in jeder Hinsicht wert-voll alles ist. Wir erleben wieder einmal, was herauskommt, wenn zwei Herzensmenschen ihre Vision umsetzen.

Voll Vertrauen in die Kunden

Michl zeigt uns noch den Hofladen. Ein winziges, ebenso altes wie würdevolles Gebäude. Zwei schlichte Reihen Gemüsekörbe und ein Kassensystem, das selbst dann funktioniert, wenn von ihnen beiden niemand da ist: Den Preis der Waren selbst ausrechnen und ganz auf Vertrauensbasis bezahlen. Dass das immer öfter angeboten wird mit Blumen, Kartoffeln und sogar hier in diesem Hofladen „funktioniert“, ist für mich immer wieder ein Hoffnungszeichen für unsere sonst so hektisch, überhitzt und entzweiend gewordene Gesellschaft.

Das Gute ist nahe-liegend

Wir hatten als Städter in den vergangenen eineinhalb Jahren schon vom Einkauf im Naturkostladen auf Ökokiste umgestellt. Hier aber sehen wir, dass es sogar noch regionaler und direkter geht. Und wenn ein Unwetter ihre Ernte vernichten würde, stehen die Mitbauern ihnen solidarisch zur Seite. Die Jahres-Abos geben ihnen Sicherheit. Es ist keine neue Erkenntnis, dass „der Markt“ das alles nicht adäquat regelt. Und auch „der Staat“ nicht. Es ist jetzt die Zeit, das gesellschaftliche Leben in kleinen Netzwerken vor Ort zu verknüpfen. Und dann ist nicht nur die Ernte wundervoll, sondern schon das säen und mit-baue(r)n. Das Gute liegt nah. Beziehungsweise ferni. Im Fall der Solawi Ferni nämlich in Ferneichlberg.

Von Nicki und mir gerahmt: Die Herzensmenschen Michl und Sophie mit Katze vor ihrem Hofladen der Solawi Ferni.

Zu weiteren Infos und Inspirationen empfehle ich: www.solawi-ferni.de und www.quantum-satis.de!

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