Was ist eigentlich „der springende Punkt“?

Wir kennen alle die Redewendung vom „springenden Punkt“. Doch was ist das eigentlich, der „springende Punkt“? Woher kommt diese Redewendung? Die Geschichte vom springenden Punkt ist eine wundervolle Botschaft für uns alle in dieser Zeit…

Wer freut sich nicht, auf den springenden Punkt zu stoßen?

Fast jeder Mensch benutzt immer wieder einmal gern die Formel vom springenden Punkt. Es lohnt sich, einen Moment innezuhalten:

Was taucht auf beim Hören dieser Redewendung „der springende Punkt“?

Welches Bild, welche Szenerie?

Situationen, Gespräche

Aha-Erlebnisse, Entdeckungen, Erkenntnisse…

Die meisten Menschen werden mit dem springenden Punkt sofort etwas Positives assoziieren. Dass uns in einer Sache, in einem Anliegen etwas entscheidend weiterbringt, wenn wir den springenden Punkt entdeckt haben. Die Lösung, die Stelle, den Punkt, wo es weitergeht. Es ist, wie wenn ein Fenster aufgeht, eine Tür, vielleicht sogar das ganz große Tor. Wer freut sich nicht, wer liebt es nicht, den springenden Punkt zu finden?

Das Herz ist Nickis wichtigste Qualität – in ihrem Arbeiten und ihrem ganzem Sein

Aristoteles‘ punctum saliens als Entdeckung des Lebens

Es war für mich eine schiere Offenbarung, als mich eine Lektüre hinter die Kulisse dieser wundervollen Redewendung führte. Die Formulierung vom springenden Punkt (lat. punctum saliens) geht auf Aristoteles zurück. Sie steht ursprünglich im biologischen Zusammenhang und meint nicht weniger als die Entdeckung des Lebens. Und zwar im Aufspüren, Sichtbarwerden eines hüpfenden roten Punktes im Ei – als dem Herzen des Embryos! Auf diese Entdeckung aufbauend hat sich, so heißt es etwa bei Wikipedia, „in weiterem metaphorischen Gebrauch eine Redewendung gebildet, nach der der springende Punkt das Herz eines Projektes darstellt“ (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Springender_Punkt, 10.03.2021)

Der springende Punkt ist also das Herz!

Die Entdeckung der Qualitäten des Herzens

Vielleicht ist es das, was wir in diesen Zeiten im wahrsten Sinne wieder entdecken dürfen: Das Herz. Unser ganz persönliches Herz. Das Herz des Projektes ‚Leben‘. Schon länger ist klar geworden, dass die Intelligenz des Verstandes, diese Form der Bildung, die dann gerne als „wissenschaftlich“ bezeichnet wird, zwar zu Höchstleistungen und spektakulären Entdeckungen und Erfindungen geführt hat. In neuerer Zeit hat spätestens Daniel Goleman mit seinem Begriff der „emotionalen Intelligenz“ aber deutlich gemacht, dass die Intelligenz des Menschen bzw. des Lebens im Allgemeinen nicht auf die rein kognitiven Fähigkeiten reduziert werden darf. Die Kommunikation mit und der Umgang mit Emotionen ist eine in unseren Breitengraden lange unterschätzte und doch so ‚not-wendige‘ Kompetenz im menschlichen Miteinander. Der –  wenn wir nun so wollen –  springende Punkt in diesem Zusammenhang ist aber tatsächlich das Herz selbst als die Instanz für diese emotionalen (und sozialen) Kompetenzen. Eben genau so wie das Gehirn als Instanz für die kognitiven Kompetenzen gilt, ist das Herz die Instanz für Qualitäten wie Empathie, Mitgefühl, Vertrauen, Dankbarkeit, Hingabe, Mut, Freundschaft, Liebe.

Christian nutzt gern Zeiten der Stille und Meditation, um der Stimme des Herzens Raum zu geben.

Herzensbildung. Instanz, Kompetenz und Intelligenz des Herzens

Weit mehr als viele (wissenschaftlich orientierten Menschen) glauben, ist unser Herz eine mindestens so ernst zu nehmende, weil wesentliche Instanz von Intelligenz. In unserer Arbeit bei cordat bezeichnen wir unser Anliegen als Herzensbildung. Ganz besonders dann im Leben, wenn es eng wird, in einem Moment von Not oder Stress, in Momenten, wo es entscheidend darauf ankommt, ist es von unschätzbarer Bedeutung, die inneren Ressourcen des Herzens zur Verfügung zu haben. Resilienz, diese vielzitierte Kompetenz, in stürmischen Zeiten widerstandsfähig zu sein, gibt es nicht ohne die Qualitäten und Kompetenzen aus der inneren Mitte, also dem Herzen des Menschen. Es gilt, die eigene Intuition zu spüren, das Bauchgefühl. Die Stimme des Herzens wahrzunehmen. Und ihr schließlich auch zu folgen.

Langes Reflektieren ist oft nicht möglich. Oft verwirrt oder vernebelt solches Reflektieren auch das Bauchgefühl bzw. die Stimme des Herzens und macht ein Abwägen zunehmend schwieriger wird. Dabei ist, die (leise) Stimme des Herzens überhaupt zu hören, schon eine entscheidende Kompetenz. Wir reden in solchem Zusammenhang oft davon, dass jemand geistesgegenwärtig war oder gehandelt hat. Vielleicht kommt es der Wirklichkeit näher, wenn wir uns klar machen, dass es eher ein herzensgegenwärtig Sein ist, das wir brauchen.

Das Herz ist der springende Punkt auch in unserer Zusammenarbeit als Paar.

Der springende Punkt ist das Herz!

Wie das geht, mit dem Herzen zu sehen (A. de Saint-Exúpery) bzw. mit dem Herzen zu horchen (D. Steindl Rast) und wie wir uns darin üben können, damit werden wir uns in diesem Blog noch intensiver beschäftigen. Für den Moment dürfen wir festhalten: In Zeiten wie diesen, wo wir spüren, dass im Außen keine wirkliche Instanz für Orientierung (mehr) vorhanden ist, wird es wichtiger denn je, (wieder) an diese Instanz in uns heranzukommen. Und ihr zu vertrauen. Nicht zu viel zu reflektieren, mit dem Verstand abzuwägen. Denn nicht das Gehirn hüpft als springender roter Punkt im Ei. Der springende Punkt ist das Herz!

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