Mut is all we need. Eine Replik auf den Valentinstag

Kürzlich war er wieder da. Der Valentinstag. In den vergangenen Jahren hab ich oft Menschen klagen hören, dass dieser Tag so kommerzialisiert worden sei. Nach dem reinen Blumen-Ding seien jetzt alle Geschäfte, alle Branchen aufgesprungen und wollten uns zum Kauf toller Geschenke für unsere Liebsten verführen.

Mehr Mut zur Liebe

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Diese wundervollen Valentins-Croissants von #heavenstaste gabs heuer bei uns.

Das mag alles sein. Ist mir aber zu kurz gegriffen. Vielmehr hab ich den Eindruck, dass doch mehr dahinter steckt. Der Valentinstag erstreckt sich nicht mehr nur auf Aufmerksamkeiten in einer Paar-Beziehung. Auch guten Freunden, Familienmitgliedern und selbst im Business-Kontext schenkt oder wünscht man sich schon mal etwas zum Valentinstag. Ich finde das schön. Für mich zeigt sich hier, dass es in unserer Gesellschaft – neben so vielem anderen – eine, ja: Entwicklung hin zu mehr Liebe gibt. Abgesehen von allem, was wir durch (die Politik um) die Pandemie nun an Einschränkungen erfahren, gibt es nach meinem Eindruck zumindest in der deutschen Gesellschaft in den vergangenen Jahrzehnten eine wachsende Nähe unter den Menschen und mehr Bekundungen der Zuneigung.

Vom Händedruck zur Umarmung

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Eine Umarmung ist ein Power-Boost für die Seele.

Als ich noch ein Kind war, habe ich in der Welt der Erwachsenen als Ausdruck des Grußes nur den Händedruck erlebt. Umarmen war da nicht. Schon gar nicht zwischen zwei Männern. Das ist heute völlig anders. Auch Eltern haben früher ihre größeren Kinder nicht mehr umarmt. Und schon gar nicht, als diese schließlich erwachsen waren. Das hat sich ebenfalls gewandelt. Ich umarme meine eigenen Eltern, die ich alle 1-2 Wochen treffe, und meine (erwachsenen) Kinder, immer zum Gruß. Auch aktuell. Eine herzliche und wirklich liebevoll empfunden Umarmung ist für unsere Psyche, unser Immunsystem, für uns als Menschen ein unschätzbarer Wert. Selbstverständlich umarme ich umgekehrt niemanden, der das nicht möchte. Nicht nur in Zeiten wie diesen.

Welche Farbe geb ich dem Herz?

Mehr Mut zur Liebe offenbart nach meinem Empfinden auch die Nutzung der digitalen Text-Nachrichtendienste. Wem ich in den grauen (?) Zeiten noch vor der Email oder SMS niemals ein Herz an das Ende des Briefes gemalt hätte, der oder die bekommt heute schon mal ein Herz in der Textnachricht. Der Grad des Muts bzw. die Frage nach der Angemessenheit, dem Maß, entscheidet sich nicht selten an der Wahl der Farbe: ein weißes, ein grünes oder sogar ein rotes Herz?

Welches Herz nehme ich für wen und in welchem Zusammenhang?

Mut des Herzens

Ich liebe das französiche Lehnwort „Courage“. Wörtlich übersetzt heißt es nichts anders als „was das Herz betrifft“. Courage, Mut, ist also immer schon eine Angelegenheit des Herzens. Von Herbert Grönemeyer hab ich in diesem Zusammenhang ein schönes Lied mit dem Titel „Mut“ entdeckt. Darin heißt es so schön und passend zum Hier und Jetzt: Es richten die Augen sich in die Stille / Es verfliegt die Unrast am Firmament / Da ist das zarte Blau im Schnee / Zuversicht zwischen Zeilen / Gedanken in der Zwischenzeit / … / Wie verbreitet sich der Mut des Herzens? / Wie enteilt man der Raserei? / Und bring‘ ich Ruhe in die Bewegung / Und steh‘ ich auf für ’ne weite Zeit /… / Das Leben ist ein Seiltanz / Ein hauchzartes Porzellan / Versuchung und Unwägbarkeit / Doch der Funke glimmt / Für einen Aufbruch, der gegen alle Ströme schwimmt / Wie verbreitet sich der Mut des Herzens? / …/  Es gibt kein Nord / Es gibt kein West / Kein Osten / Es eint der Wunsch / Nach Heim und Hort / Nach sicherem Halt / Und Unterstand

To be brave-hearted

Kürzlich hat uns eine Freundin den Begriff „braveheart“ geschenkt. Und ich habe nachgelesen, dass es im Englischen den Ausdruck „to be brave-hearted“ gibt:  So etwas wie ‚mutigen Herzens sein‘. Ja, das möchte ich und das wünsche ich allen Menschen! Jetzt. In diesen Zeiten. Und überhaupt im Leben: (wage-)mutig sein; mutigen Herzens sein.

Auch eine Möglichkeit (-; Diese Postkarte stammt von der wunderbaren Veronika Kammholz #abitofcolor!

Ahd. muot. Mehr als Mut

Apropos brave heart. Aus meinem Gemanistik-Studium erinnere ich, dass das deutsche Wort „Mut“ noch im Mittelalter eine viel umfassendere Bedeutung hatte, ja, ein wesentlicher Begriff der höfischen Kultur war. Und ich schlage es wieder mal nach: Das althochdeutsche Wort muot meinte ‚Sinn, Seele, Geist, Gemüt, Kraft des Denkens, Empfindens, Wollens‘! Da schlägt das Herz des Achtsamkeitslehrers gleich höher: Kann es sein, dass wir im Deutschen (wie in den asiatischen Sprachen noch heute) einmal ein gemeinsames Wort für mind und heart hatten? Für Geist und Seele? Vielleicht ist ahd. muot schon alles, was wir brauchen? Mut zur Liebe. Mut des Herzens. Weil Mut Sinn gibt, Sinn meint. Seele und Geist. Gemüt (engl. mood!). Die Kraft des Denkens und des Empfindens und des Wollens. Wow!

Wohlan denn:

Lasst uns den Mut des Herzens verbreiten!

Lasst uns „aufstehen für ne weite Zeit“ (Herbert Grönemeyer)!

Let’s be brave-hearted!

Denn: Mut is all we need.

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