Unerwartet still. Zur (Vor-) Weihnachtszeit 2020

Unerwartet still. Zur (Vor-) Weihnachtszeit 2020

Dieser Advent ist anders. Wirklich anders. Er ist unerwartet still. Stiller als manchem lieb ist. Keine „Christkindlmärkte“, keine Glühwein-Parties. Es ist ein Weihnachten ohne Gedöns. Ein Weihnachten geradezu wie „von einem anderen Stern“. Jeden Tag, da ich durch die Altstadt gehe, halte ich kurz inne und mache mir gegenwärtig, dass dieses Jahr etwas fehlt.

Die Stille kommt ungelegen

Wo etwas fehlt, entsteht etwas Neues. Wo etwas fehlt, ist ein offener Raum. Leer-Raum oder Frei-Raum? Plötzlich ist Stille auf den sonst um diese Jahreszeit so belebten Plätzen. Die Stille irritiert. Sie ist manchen ein ungebetener Gast. Sie hätten gern das Treiben, das Getriebe der Märkte. Die Stille kommt ihnen nicht gelegen. Vielleicht erinnert sie uns an etwas…

Stille Freude am Weniger und am Anderen

Vielleicht kann in diesem Jahr der Stille einmal wirklich die Tür aufgehen

Ich gebe zu: Mir fehlt nichts. Ja, ehrlich gesagt, freue ich mich an diesem Weniger. Dem Weniger an Lärm, dem Weniger an Betriebsamkeit. Ich freue mich an dieser unerwarteten Stille. Leichter Schneefall, die ersten Dezembertage, eher gedämpfte Stimmen. Und wenn es kalt ist, wird sogar mein innerer Widerstand gegen die Masken kleiner.

Wir können klagen. Wir können uns in Tristesse vergraben. Und wir können neue Ideen kreieren. Neue Wege gehen.  Auch unsere Veranstaltungen bei cordat herzensbildung finden nun als Online-Live-Formate statt. Und ich finde: Sie sind überraschend. Bemerkenswert. Schön.

Vielleicht wirklich einmal s t i l l e Nacht?

Vielleicht können wir diese unerwarteten Stille-Räume gut gebrauchen. Vielleicht können sie uns von innen her stärken. Klarheit und innere Ruhe sind in diesen Zeiten hohe Güter. Was wenn wir diese besondere Gelegenheit nutzen und den Dezember, den Advent, die Wochen vor Weihnachten wirklich wirklich wirklich einmal der S t i l l e widmen? Uns auf Wesentliches besinnen? Uns jenseits von Angst und Geschrei im Außen (und auch des Lärms im Inneren) der leisen Stimme tief in uns selbst zuwenden? Und: Uns verbinden. Online auf Tuchfühlung gehen. In der Meditation. Mit viel Herz-Kontakt.

Online-Reihe „stillLEBEN“

In unserer Online-Reihe „stillLEBEN“  geht es um diesen Kraftraum Stille. Und es geht um Helden. Vor allem stille Helden: Menschen, die das Licht in ihrem inneren anzünden. Menschen mit brennenden Herzen. Helden, die etwas bewegen. Kleine, unscheinbare und Große. An unserem ersten Abend haben wir unsere Teilnehmer*innen gefragt, wen oder was sie bei „Held*in“ assoziieren: „Klarheit“ hieß es da. „Mut“. „Mut zum Licht und auch zum Schatten“. „Pippi Langstrumpf“ war dabei und „Kevin Costner alias Robin Hood“. „Courage“.

Stille Helden

Es gibt eine Reihe von Menschen, die den Lauf der Geschichte gelenkt haben – und ihre Kraft aus der Stille bezogen: Mahatma Ghandi, Nelson Mandela, nicht zuletzt der Buddha und Jesus von Nazareth. Auch heute gibt es sie, die stillen Weltenlenker. Man denke etwa an den aktuellen Dalai Lama und wie er über Jahrzehnte hinweg wo etwas wie die Lebnesphilosophie und auch die Spiritualität in der westlichen Welt geprägt hat. Selbst im Fußball ist die Kraft der Stille angekommen. So heißt es etwa vom 19jährigen norwegischen Shooting-Star und Spieler bei Borussia Dortmund Erling Haaland, dass auch er regelmäßig meditiert und daraus seine mentale Stärke vor dem Tor bezieht. Stille Helden sind oft auch Menschen, die in ihrer Zeit und Umgebung als Verrückte galten (etwa Franz von Assisi und schlichtweg alle Propheten) oder gelten. (Auch Erling Haaland ist um sein Meditieren schon viel belächelt worden.)

Morgendämmerung an einem klaren Tag Ende November 2020

Orientierung in unübersichtlichen Zeiten

In Zeiten wie diesen ist es nicht leicht, die Orientierung zu behalten. Was ist jetzt richtig? Was ist falsch? Der Advent und die Zeit um Weihnachten kommen da gerade recht. Mit den Teilnehmer*innen unserer Reihe „stillLEBEN“ wollen wir uns gegenseitig Gefährt*innen sein. Freunde, die ebenfalls als stille Held*innen auf dem Weg sind. Übrigens: Die alten Geschichten unseres Kulturkreises (also die Erzählungen der Bibel) sprechen ebenfalls von drei (stillen) Helden, die vor etwa 2020 Jahren um diese Zeit aufgebrochen sind. Von Osten her. Auch sie haben nach neuer Orientierung in einer unübersichtlich gewordenen Welt gesucht…

Wir wollen uns gegenseitig rüsten und stärken für unsere jeweils persönliche Lebensreise. Und auch einen Beitrag leisten für den Weg, den unsere Gesellschaft geht.

Abstand und Angst oder Kampf oder Verbundenheit im Herzen

In diesem Zusammenhang glauben wir nicht, dass es jetzt darum gehen kann, sich ganz in die Angst zurückzuziehen. Und genauso wenig darum, in den Kampfmodus zu gehen. Wir raten dazu, Kraft aus der Stille zu beziehen, sich mit innerer Sammlung zu stärken. Und wenn der Abstand im Außen zu den Mitmenschen groß sein soll, sich umso tiefer im Herzen mit einander zu verbinden.

Für unsere Reise mit unseren Gefährt*innen (Teilnehmer*innen), also für die vier Abende, haben wir einige Werkzeuge und auch regelrechte „Power-Booster“ im Gepäck. Neben einem kleinen Lichtgefäß, das man zu einer vielleicht täglichen inneren Sammlung (Meditation, Zeit der Stille) entzünden kann, und starken Texten haben wir Lieder ausgesucht. Darunter dieses:

When I need a friend (Coldplay)

Holy, Holy – heilig, heilig
Dove descend – Taube, steige herab
Soft and slowly – weich und bedächtig
When I’m near the end – wenn ich dem Ende nahe bin
Holy, Holy – heilig heilig
Dark defend – gegen die Dunkelheit verteidige mich
Shield me, show me – schütze mich, zeig mir
When I need a friend – wenn ich einen Freund brauche

[Chorus]
Slowly, slowly – langsam, langsam
Violence, end – Gewalt, ende
Love reign o’er me – Liebe, regiere mich
When I need a friend – wenn ich einen Freund brauche

[Outro: Don Agustín]
Hombre, mire – Mensch, schau mal
Ah, propiamente – ah, richtig
Para toda la gente ha sido motivo de burla – für all die Leute war es eine scherzhafte Idee
Por que todo el mundo piensa que es una cosa imposible – weil die ganze Welt denkt, dass es eine unmögliche Sache ist
Que es cuestión de locos – Was ist die Frage der Verrückten?
El problema es que todo es increíble – Das Problem ist, dass alles unglaublich ist
Y la gente no lo acepta – und die Leute es nicht akzeptieren

Plädoyer gegen die Negativität in unserer Gesellschaft

Für meine Partnerin und mich sind die Lieder der Band Coldplay schon viele Jahre wichtige persönliche Begleiter. „Power-Booster“ auch. Das letzte (also aktuelle) Album “Everyday life”, ziemlich genau vor einem Jahr, also direkt vor der Pandemie erschienen, ist uns wie eine Wegweisung in diesen Zeiten (siehe den Blog-Beitrag „Es ist Zeit jeden Tag zu würdigen“ vom 10. Oktober 2020). Das Lied „When I need a friend” richtet sich wie das ganze Album laut dem Bandleader Chris Martin gegen die Negativität in unserer Gesellschaft.

Ein paar Gedanken zu diesem Lied:

Zeit für das Heilige

Holy,holy – heilig, heilig… Vielleicht ist die Zeit reif, wieder zu entdecken, was uns wirklich wirklich wichtig ist. Was für uns wesentlich ist. Was ist dir „heilig“? Wer oder was schützt dich? Wer oder was steigt wie eine Taube herab auf dich? Der „heilige“ Geist? Ein „Engel“? Ein Freund? Wer gibt dir Schutz und Segen, wenn du in Not bist?

Violence, end! Lassen wir uns nicht zur Negativität, zur Agitation, zum Kampf, zur Gewalt hinreißen. Auch nicht mit Worten.

Love reign over me. Handeln wir nicht aus der Angst heraus oder aus Enttäuschung, aus Frust. Fragen wir uns immer wieder neu, was die Liebe tun würde. Wählen wir immer wieder neu den Modus der Liebe. Sie, die Liebe, regiere uns!

Berge stehen in vielen Kulturen für das Heilige. Mit Bergen verbinden viele Menschen Qualitäten wie Kraft, Ruhe, Stille.

Den eigenen Träumen folgen. Auch wenn sie noch so verrückt sind

Und dazu gehört, dass wir – ganz nach unserem cordat-Motto mind your heart! Achte dein Herz! – unseren brennenden Herzen trauen. Unseren Träumen. Unserer Vision. Und wenn sie noch so verrückt ist. – So wie, Don Agustín, der Mann aus Honduras in dem Lied von Coldplay. Über ihn gibt es einen Film mit dem Titel „Everything is incredible“ von 2012:

Er hat, obwohl durch Kinderlähmung behindert, 50 Jahre lang an seinem eigenen Hubschrauber gebaut (-:    Auch so ein Verrückter also. Und ein stiller Held.

Quelle: https://coldplay.fandom.com/wiki/When_I_Need_a_Friend#cite_note-2

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