Berührung, Lachen und Stille. Superfood für die Seele

Womit nähren wir uns? Was essen wir? Was futtern wir, was „snacken“ wir, wie mein 12jähriger Sohn das neuerdings nennt, in uns hinein? Und damit meine ich nicht nur das, was wir haptisch über unsere Hände oder Besteck, mit unseren Zähnen und unserem Mund zu uns nehmen: Was nährt uns wirklich? Unseren Körper, unser Herz und unsere Seele?

Junk-Food vs. Öko-Liefer-Dienste

In Zeiten, da wir uns im Home-Office wiederfinden und etwa auch den Sport fast nur noch über Bildschirme konsumieren können, fehlt uns nicht nur die Bewegung mindestens zum Auto, zum Bus, zur Arbeit oder zum Stadion hin. Es explodiert, wie ich kürzlich gehört habe, auch der Konsum von Junk-Food. Dass diese Gemengelage, fehlende Bewegung, fehlende Frischluft und der Konsum von Junk-Food, unser Immunsystem nicht gerade stärkt, erklärt sich von selbst. Gleichzeitig ist der Zuspruch für Öko-Liefer-Dienste frischer und regionaler Bio-Produkte gestiegen. So sehr, dass man zum Teil nur noch über Wartelisten Kunde werden konnte. Mehr Menschen erleben etwa jeden Dienstag den Moment, wo sie die voll bepackte Öko-Kiste aus Kößnach öffnen und das Glück im wahrsten Sinne sehen, riechen und dann auch schmecken. Das Glück, mit solchen wirklichen Lebensmitteln versorgt zu werden. Das Glück, dass vielleicht auch wegen Home-Office wieder mehr zu Hause gekocht wird. All das zusammen ein großes Plus für das Immunsystem jedes einzelnen und nebenbei auch für unser Klima.

Welche Nahrung braucht unser Immunsystem?

Apropos Immunsystem: Ich lasse seit Jahren den Fernseher und die (Dauer-) Nachrichten links liegen. Nachrichten „aus aller Welt“ nähren mich nicht. Sie beschäftigen unablässig den Geist und beschweren – erst recht in Zeiten wie diesen – das Gemüt. Doch um wieder einmal diese Energie zu spüren und den Zustand („state“) unserer Gesellschaft einschätzen zu können, habe ich auf einer Autofahrt eine ganze Stunde lang der Pressekonferenz des bayerischen Ministerpräsidenten gelauscht. Mein Eindruck: Was er sagt, ist (im Gang seiner Gedanken) schlüssig, die angekündigten „Corona-Maßnahmen“ nachvollziehbar. Ich gestehe ihm voll und ganz zu, als Politiker in seiner Verantwortung mit einer guten Absicht zu handeln. Und bleibe dabei: Mir ist das politische Handeln und die Medienlandschaft zu fixiert auf diese zwei medizinisch-wissenschaftlichen Professionen: Virologie und Epidemiologie. Ich höre nur „das Virus ernst nehmen“, „die Zahlen ernst nehmen“ und von „Maßnahmen zur Eindämmung des Virus“. Nebenbei ist von zunehmenden psychischen Erkrankungen die Rede. Der Begriff „Immunsystem“ kommt nicht vor. All die Maßnahmen (von der Distanzierung bis zu den Masken) mögen ihren Sinn haben. Um „die anderen“ zu schützen. Aber können wir bitte endlich aus dem Tunnelblick heraustreten und sehen, was sonst um uns geschieht: Etwa dass mehr und mehr die psychischen Erkrankungen zum Risikofaktor werden. Und zwar für „die anderen“, die nämlich, die wir doch schützen wollen. Bei aller Distanz und der Warnung vor größeren Gruppenansammlungen: Wir müssen mindestens innerlich um Kontakt bemüht bleiben. Und uns – „zur Not“ (?) – eine Berührung erlauben dürfen. Berührung, Bewegung, frische Luft, gesundes Essen und ein gutes Stress-Management nähren unser Immunsystem. Angst und sich isoliert Fühlen fahren es herunter.

Lächeln, schmunzeln, lachen. Kraft tanken wider alle Angst und Depression. Danke Veronika Kammholz von #abitofcolor!

Lachen verboten?

Das Robert-Koch-Institut (RKI) will jetzt festgestellt haben, dass weder im Nahverkehr noch in der Schule, noch in der Gastronomie die vermuteten Infektionsherde stecken. Unter Verdacht sind deshalb um so mehr die „privaten Treffen“, wie es heißt. Weil hier „laut geredet“ werde und „gelacht“. Auch hier: Was wenn jeder die beste Absicht hätte? Es mag eine Aufgabe des RKI sein, die Aerosole zu beobachten und okay, wer laut redet oder sogar lacht, stößt möglicherweise mehr davon aus. Und Parties mit vielen Leuten und viel Alkohol mögen enthemmend sein – und infizierte Menschen zu so genannten „Super-Spreadern“ machen. So weit so nachvollziehbar. Fehlt nur noch, dass es zuhause im familiären Bereich bald auch noch heißt: Jeder in sein Zimmer und bloß nicht mehr lachen, weil mein Lachen die Gesundheit „der anderen“ gefährdet… Ich glaube fest daran, dass Lachen ein „not-wendiges“ Superfood ist. Erst recht in Zeiten wie diesen!

Das Herz nähren durch Berührung. Lachen statt Vereinsamung und Depression

Lächeln und zur Not die Säule umarmen. Oder sich selbst.
Keine Umarmung ist auch keine Lösung.

Wer in die Pflegeheime und Krankenhäuser hineinschaut, wer einen Menschen kennt, der kürzlich einen nahen Angehörigen im Krankenhaus hatte oder gar verloren hat – und keine Chance auf einen würdigen Abschied hatte, der weiß, dass es an der Zeit ist, der Vereinsamung und bisweilen Traumatisierung etwas entgegen zu wirken. Da begleitet ein Freund von mir seine Mutter am ersten Tag zum Bezug ihres Zimmers in einem Alten- und Pflegeheim, streicht ihr über den Rücken – und bekommt zu hören: „Bitte mit Körperkontakt vorsichtig sein!“ (… Einen Moment innehalten ….) Eine zärtliche Hand am Rücken der eigenen Mutter ist jetzt auch schon gefährlich? Bei allem Verständnis für die Situation in solchen Einrichtungen in diesen Zeiten; und bei allem Verständnis für die Vorgaben und allen guten Willen: Wir dürfen unsere Angehörigen nicht emotional verhungern lassen – auch nicht in der guten Absicht, sie vor Corona zu schützen!! Nähren wir uns und unsere Eltern, Kinder und Partner mit Freude, Liebe und Dankbarkeit über das, was es in unserem Leben auch noch Schönes und Wundervolles gibt!

Inseln der Ruhe schaffen

Und da ist noch etwas. Eine dieser großen Chancen in der Krise. Das Potential, das durch ggf. wegfallende Pendel-Zeiten entsteht. Oder durch Kurzarbeit und Home-Office. Natürlich betrifft das nicht alle Menschen in diesen Zeiten. Auch ich selbst kann als Selbständiger nicht in Kurzarbeit gehen und habe, wie es ein ebenfalls selbständiger Freund gerade am Telefon erklärt hat, wegen weniger Teilnehmern pro Kurs mehr Arbeit für weniger Geld. Und Pflegekräfte und andere haben aktuelle vielleicht mehr Arbeit und mehr Druck als je zuvor. So oder so: In Zeiten wie diesen brauchen wir Momente des Innehaltens. Momente der Ruhe. Des Nicht(s)-Tuns. Stille. Auch hier gilt: Was nährt uns wirklich? Nachrichten, immer neue, aktuelle Infektionszahlen oder das immer wieder bewusste Aus- und Abschalten des nie versiegenden Informationsstroms. Wo es unserem Körper vielleicht aktuell an Frischluft und Bewegung mangelt, mangelt es unserer Seele vielleicht an Ruhe und Frischluft für den Geist. Nutzen wir die Gelegenheit und die Steilvorlage dieser Krise, uns Inseln der Ruhe, der Stille zu schaffen, inne zu halten und jenseits des Informations- und Angstlärms um uns herum, die eigene innere Stimme wieder zu entdecken. Intuition und Bauchgefühl sind in Zeiten wie diesen wichtiger, wertvoller, wesentlicher denn je. Vertrauen wir uns selbst. Lernen wir, üben wir uns darin „eine Insel für uns selbst zu sein“, wie der Abenteurer Erling Kagge das in seinem grandiosen Büchlein „Stille. Ein Wegweiser“ formuliert. Eine Insel in diesem aufgewühlten Ozean der Zeit.

Stille lernen und Stille üben. Dankbar sein und Glück erfahren

Die Stille ist immer da. Es geht darum, ihr Raum zu geben.
Wider allen Lärm um uns herum und in uns.

Die gute Nachricht ist: Die Stille ist immer da. Wenngleich sie gefühlt ein Luxusgut ist, liegt sie allen Dingen und all unserem Tun zugrunde. Das einzige, was es braucht: der Stille Raum geben beziehungsweise zu ihr zurückkehren. Weil unsere Gesellschaft und unser Leben alles andere als still sind, der Lärm des Ach-so-Wichtigen und der Dramen uns dauerbeschallt, ist die Frage, wo und wie wir sie wieder entdecken können. Der Abenteurer Erling Kagge beschreibt in dem eben erwähnten Buch, wie er mit einem Freund einmal das Tunnelsystem von New York City in der gesamten Länge durchquerte und beim Morgengrauen daraus heraufgestiegen ist, um auf die Türme der Williamsburg Bridge zu klettern und den Sonnenaufgang zu erleben:

Ich hörte nichts. Unter mir dröhnten die Autos auf vier Fahrbahnen, und U-Bahnen rumpelten rhythmisch auf ihrem Weg in die Stadtmitte und wieder hinaus. Ich war gefesselt von dem Anblick, der sich mir bot, und blendete die Geräusche aus. Du kannst nicht darauf warten, dass es still wird. Weder in New York noch irgendwo anders. Du musst dir deine eigene Stille schaffen.

Und passend zum aktuellen Endspurt des Präsidentschaftswahlkampfs in den USA noch das:

Freude stieg in mir auf, als ich dort oben auf der Williamsburg Bridge stand und die Sonne über dem Atlantik aufgehen sah, die dann die ganze Stadt erleuchtete. Wäre ich Präsident, würde ich in meiner Antrittsrede alle Bürger auffordern, sich für jeden Sonnenaufgang glücklich zu preisen und der Sonne für all das, was sie für uns tut, Dankbarkeit zu erweisen.

Ob Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang. Ob am Meer oder in den Bergen. Die Natur bietet uns Nahrung über die Sinne mitten hinein ins Herz.

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