Resilienz ist Geschmeidigkeit. Wie wir neue Spielräume finden

Wir starten an diesem Samstagmorgen in das zweite von sechs Modulen unserer Weiterbildung TOOLBOX ACHSTAMKEIT. Unsere wundervollen Teilnehmer*innen sind schon jetzt eine kleine community geworden. Alle freuen sich, einander wieder zu sehen. Nach einem ausführlichen Übungsblock zum Ankommen – was schon nichts anderes ist als Achtsamkeit zu praktizieren – reflektieren die Teilnehmer*innen die für unser Format so wertvolle Zwischenzeit: Was war in der Zwischenzeit wesentlich für mich? Welche Übungen waren wertvoll? Wo habe ich Achtsamkeit im Alltag entdeckt? Welche Hindernisse gab es? Wofür bin ich dankbar? 

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Was der Hund mitkriegt

Beim Austausch danach gibt es bemerkenswerte Rückmeldungen. Eine Teilnehmerin berichtet, dass sich ihr Tempo und ihre Haltung beim Spazierengehen mit dem Hund verändert hat. Sie ist bedachter, wacher, aufmerksamer, kriegt mehr mit. Und das ist sogar ihrem Hund aufgefallen. Sie hat es ihm direkt angesehen, wie er sie fragend anschaut, wie er sich wundert über diese andere Energie. Hunde haben eine sehr feine Antenne für unsere Energie, für unsere Aufmerksamkeit. Wie kleine Kinder auch. Bei erwachsenen Menschen verschwindet sie in den Hintergrund, ins Unbewusste. Und wirkt dennoch. 

Bilder dieses Beitrags, wenn nicht anders gekennzeichnet: Nicole Balej.

Veränderte Energie, veränderte Haltung

Von Joe Dispenza gibt es den schönen Satz: „Verändere deine Energie und du veränderst dein Leben!“ Mir ist diese veränderte Haltung beim Rausgehen mit dem Hund ein wundervolles Beispiel dafür, dass sich mit einer Haltung und Praxis der Achtsamkeit tatsächlich unsere Energie verändert. Und das kriegt nicht nur der Hund mit: Es wirkt auf unsere gesamte Umgebung! Ob bewusst oder unbewusst, unsere (veränderte) Energie wirkt auf unsere*n Partner*in, unsere Kinder, unsere Arbeitskolleg*innen unsere Kund*innen, Klient*innen und so weiter. 

Veränderte Haltung, verändertes Verhalten

Das mit der veränderten Energie berichten noch weitere Teilnehmer*innen. Einer ist aufgefallen, dass sie die Menschen, ihre Gesichter anders wahrnehme, bewusster. Auch das, was sie selbst tut: reden, essen, trinken. So habe sie Achtsamkeit in den Alltag gebracht. Ein Mann berichtet, dass seine veränderte Haltung auch sein Verhalten verändert. Worauf lenke ich meine Aufmerksamkeit: auf „das Schlechte“ oder auf „das Gute“?

Unsere Aufmerksamkeit bewusst lenken

Das bewusste Lenken unserer Aufmerksamkeit ist ein Schlüssel für Achtsamkeit überhaupt. Wenn wir unsere Aufmerksamkeit nicht bewusst auf etwas lenken, findet unser Geist ganz von selbst, also unbewusst, genug Interessantes. Auf unserem Handy, in unserer Umgebung oder auf unserer To-do-Liste. In unserer Stimmung, unseren Gefühlen oder auch unseren Gedanken, die sich auf Vergangenes oder Zukünftiges beziehen. Häufig sind das dann so genannte negative Dinge. Etwas, über das wir noch nachgrübeln, was uns nachgeht. Oder etwas, was uns Sorgen macht. Manchmal dreht sich unser Bewusstsein quasi im Kreis. Das ist dann das, was wir als Hamsterrad im Kopf erleben, aus dem wir so schwer wieder herausfinden.

Resilienz hat nichts mit Widerstand zu tun

Deshalb ist es wichtig, neue, nährende Gewohnheiten zu etablieren. Diese sind ein entscheidender Beitrag für unsere Resilienz. Resilienz kommt vom lateinischen resilire, was wörtlich übersetzt ‚zurückspringen‘ heißt. Ursprünglich in der Materialkunde zuhause meint der Begriff Material, das sich, wenn es Druck ausgesetzt wird, verformt – und in seine ursprüngliche Form ‚zurückspringt‘, wenn der Druck wieder aufhört bzw. nachlässt. Das ist resilientes Material: Material, das die Eigenschaft hat, sich unter Druck zu verformen, aber auch, diese Form wiederherzustellen, sobald der Druck weg ist. Ein Ball aus Kautschuk etwa. Mit ‚Widerstand‘ hat das gar nichts zu tun, eher im Gegenteil. Die so oft gebrauchte deutsche Übersetzung „Widerstandsfähigkeit“ ist also mindestens irreführend. Es geht eher um (psychische) Flexibilität. Ich persönlich assoziiere mit Flexibilität eine gewisse Beliebigkeit und damit eine fehlende Klarheit bzw. Zielgerichtetheit. Verformt sich flexibles Material nicht einfach, je nachdem, wo der Druck hingeht – kehrt aber in keine ursprüngliche Form zurück sondern lässt sich einfach überall hinverformen? Geht es nicht eher um ein Fließen des Wassers um Hindernisse wie Steine herum, um dann belebt, mineralisiert und energetisiert in das ursprüngliche Bachbett zurückzukehren und weiterzufließen? Nicki hat in diesem Zusammenhang den Begriff Geschmeidigkeit vorgeschlagen. Geschmeidig ist etwas, was mit Wellen mitgehen kann, Druck auffängt und im besten Fall die Energie aus dem Druck nutzt. Geht es nicht bei Resilienz tatsächlich um körperliche Geschmeidigkeit genauso wie mentale – also Geschmeidigkeit im Kopf, beim Denken? Und auch um psychisch-emotionale Geschmeidigkeit. Eine „schlechte“ Stimmung über den Fokus auf Dankbarkeit in eine angenehmere wandeln?

Neue Gewohnheiten – neuer Spielraum

Wir brauchen neue, nährende Gewohnheiten im Außen. Bei dem, was wir tun: bewusst, mit Wachheit spazieren gehen; mit voller Aufmerksamkeit beim Trinken und Essen sein – wenigstens für den ersten Schluck, für den ersten Bissen. Natürlich sind auch körperliche Übungen wie Bodyscan, Yoga, Schütteln nährende Gewohnheiten. Wir fördern nicht nur aktiv unsere körperliche Gesundheit, unser Wohlbefinden, durch Bewegung und im Zuge unserer Aufmerksamkeit auch durch Entspannung; wir gewinnen auch buchstäblich neue Spielräume. Und damit Freiheit. Dasselbe geschieht auch im Innen. Wenn wir beim Sitzen in der Meditation unsere Aufmerksamkeit einmal bewusst auf die körperlichen Empfindungen, unsere Gedanken oder unsere Gefühle richten, dankt uns der Geist und das Herz diese geschenkte Aufmerksamkeit mit Klärung, mit Beruhigung. Wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf den Atem richten, können wir für eine Weile auch mal ganz aus dem Gedanken- und Gefühlskarussel aussteigen. Und gewinnen Raum. Freiraum. Freiheit.

Eine Minute ist besser als keine Minute

Hier hilft natürlich viel Üben weiter als wenig Üben. Und doch ist eine Minute täglich auf diese Weise zu praktizieren besser als keine Minute. Fünf Minuten täglich ergibt am Ende einer Woche 35 Minuten, am Ende eines Monats schon über zwei Stunden. Das bleibt nicht ohne Wirkung. Auf uns selbst. Und eben wieder: auf unsere Umgebung, unser Umfeld. Samt Hund und Katz.

Die TOOLBOX ACHTSAMKEIT ist unsere Weiterbildung für alle, die nachhaltig in eine achtsame, resiliente und emotional intelligente Haltung investieren wollen. Demnächst startet ein neuer Durchgang mit 6 Modulwochenenden. Eine wertvolle fünfmonatige Reise mit viel Auszeit und Ruhe für den eigenen Prozess und einen Schatz an Achtsamkeitstools im Gepäck für sich selbst und für die Arbeit, den Umgang und das Zusammenleben mit Menschen. Frühbucherpreis und Optionen zu Ratenzahlung und Paarpreis beachten! Für Fragen einfach eine Mail an herz@cordat.org schreiben. Alle Infos unter http://www.cordat.org.

Wir, Nicki & Christian, in unserem Seminarraum – „raum für herzensbildung“, wo auch unsere Retreats und das Begleitungs- und Weiterbildungsformat TOOLBOX ACHTSAMKEIT stattfinden. – Foto: Georg Schraml, Meditative Fotografie

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