Wann ist ein Mann ein Mann? Teil 2: All-ein für eine Nacht im Wald

Gestandene Männer mit vierzig und darüber werden nervös. In wenigen Minuten geht es los. Sich für eine Nacht ganz mit sich selbst in den Wald begeben. Einen Platz suchen. Allein sein. Kein Handy, keine Uhr, kein Zelt. Eine Taschenlampe für den Notfall. Isomatte, Plane, Schlafsack, Wasser. Kein Buch, keine Musik, keine Ablenkung. Nur der Wald und Ich. Ich habe Respekt. Und: Ich liebe es.

Ab in den Wald. Allein. – Dieses Bild und das Titelbild: Samuel Heitzer. – Alle anderen Bilder dieses Beitrags, wenn nicht anders gekennzeichnet: Christian Heitzer-Balej. Hinweis: Ich habe die Fotos erst am nächsten Tag gemacht; in der Visionsnacht selbst war kein Handy erlaubt.

Warum sind wir hier?

Es geht auch nicht darum, dass derjenige sich als Mann beweist, der keine Angst hat, der kein Feigling ist, der in dieser Nacht am coolsten bleibt. Sind wir im Herzen offen für die Begegnungen, die uns erwarten – auch und gerade die mit uns selbst? Lassen wir „das Andere“, das Unerwartete, Bilder, Schatten, Anteile, Botschaften zu und an uns heran? Können wir im Vertrauen sein? Umarmen wir, was und wer auch immer kommt?

Tiere

Die naheliegendsten Wesen, die uns begegnen können, sind freilich die Tiere. Natürlich gibt es hier Wildschweine, Rehe, Eulen und andere Tiere. Was mitten in Europa im Wald eben so lebt. Die Ängste hinsichtlich der Tiere, die in der Runde spürbar sind, sind aber eher irrationaler Natur. Tatsächlich werden es unerwartete Tiere sein, die vielen von uns zu schaffen machen. Und ich denke dabei nicht an Mücken. Die hatte jeder auf dem Zettel; sie aber haben sich erstaunlich zurückgehalten.

Wo mich niederlassen?

Ich möchte mich von meinem Bauchgefühl leiten lassen, wo ich mein Lager für die Nacht aufschlage. Dennoch merke ich, dass es Bilder und also doch recht konkrete Vorstellungen in meinem Kopf gibt, wie ich das gerne hätte: Eine schöne Buche soll es schon sein, an die ich mich zunächst sitzend lehnen kann, um einfach mal zu schauen, hören, riechen, spüren. Als ich so durch den Wald streife, kommen mir allerdings immer mehr Fichten entgegen. Und bis ich mich versehe, gibt es nur noch sie – graue Stangen, mehr oder weniger in Reih und Glied und auf dem entsprechend graubraunen Nadelboden. Ästhetisch spricht mich das jetzt so gar nicht an …

In Demut die Fichte

Da ich aber sehe, dass der Wald hier oben schon zu Ende geht und es für eine Rückkehr in andere, vermeintlich schönere Ecken mittlerweile zu spät weil zu dunkel geworden ist, wende ich mich voll Demut den Fichten zu. Ein Platz spricht mich an, eine Fichte, an der ich Platz nehme und von der aus ich noch einen kleinen Ausschnitt des Waldes wie des Himmels in den Blick nehmen kann. – Es tropft beständig von den Bäumen. Den Tag über hatte es zeitweise regelrecht geschüttet. Für die Nacht aber ist kein Regen mehr zu erwarten. Deshalb nehme ich die Plane nicht als Regendach, sondern breite sie auf dem Boden aus und lege darauf die Isomatte und den Schlafsack.

„Meine“ Fichte, mein Platz für die Visionsnacht.

Mit den Elementen sein und bewusst träumen

Es gab die Empfehlung, die Nacht durchzuwachen. Ganz bewusst viel Zeit mit sich und ohne Schlafen zu verbringen. Und luzide Träume zu provozieren; Träume, derer man sich bewusst ist und die entstehen an der Schwelle zum tiefen Schlaf, also im Halbschlaf, dem Dösen: Was träumst du, was erlebst du, wer oder was begegnet dir in einem solch unabgelenkten Zustand; so geerdet und den Elementen ausgesetzt: Erde, Wasser, Licht, Luft?

Schlafen oder nicht schlafen

Da ich weiß, dass diese Visionsnacht in eine körperlich anstrengende Schwitzhüttenzeremonie (siehe der letzte Blogbeitrag, „Wann ist ein Mann? Teil 1“) mündet, möchte ich mir keinen Druck machen und nicht „mit Gewalt“ wachbleiben und mir durchaus etwas Schlaf gönnen, wenn er kommt. Ich schaue also, an die Fichte gelehnt und geradezu gemütlich in meinem Schlafsack sitzend in den Wald, später dann liegend in den Himmel – zumindest den Ausschnitt, den die Fichtenkronen freigeben. Die Nacht bleibt klar und ich sehe den ein oder anderen Stern funkeln.

Der Sound des Waldes

Die erwarteten Geräusche, immer wieder ein Knacken von Zweigen, Tierrufe bis hin zum eindringlichen Bellen eines Rehbocks lassen mich entspannt bleiben. Da helfen die drei Winter und zwei Sommer in der Yurte, die ja noch nicht lange zurückliegen.* Auch in der Yurte waren die Tiere und der Wald in unmittelbarer Nähe und durch die einfache Dämmung mit dem Holzgitter, dem Schaffilz und der Plane jedes Geräusch von Draußen sehr unmittelbar zu hören.

Tierische Begegnung

Ich habe nicht wirklich viel geträumt. Ich war sehr präsent im Hier und Jetzt. Und mich hat das Eingebundensein in die umgebende Natur und die direkte Waldluft relativ bald in einen wohligen Schlaf geführt – bis auf den Moment, wo mich ein ungewohntes Brennen auf der Stirn weckte. Unwillkürlich fasste ich mit der Hand dorthin und – der Ekelmoment dieser Visionsnacht – wischte mir eine Nacktschnecke von der Stirn. Für einen Moment dachte ich, jetzt gar nicht mehr einschlafen zu können, so grauste mir. Immerhin gingen meine Gedanken nicht so weit, mich ggf. die Taschenlampe benutzend umzusehen, wieviele weitere Schnecken hier vielleicht noch sein könnten. Tatsächlich muss ich bald wieder eingeschlafen sein, denn was mich dann weckte war erst das Schlagen der schamanischen Trommel. 

Was man(n) so erlebt in einer Nacht allein im Wald

Der Morgen dämmerte und es musste nun gegen Fünf Uhr morgens sein, so war es zumindest angekündigt. Jetzt hieß es, zusammenpacken, den Platz so hinterlassen, wie er mich erwartet hatte, mich bei der Fichte und dem Platz bedanken und den Weg zurück zum Ritualplatz vor dem Wald finden. Dort angekommen stand schon ein Großteil der Männer um das Feuer. Aus späteren Erzählungen weiß ich, was eine solche Nacht allein im Wald an surrealen Begegnungen mit  Ahnen, Schatten oder tiefliegenden Themen bis hin zu hordenmäßigen Schneckenbefall und Spinnenbissen bereit halten kann. Mein eigenes Erleben war ein vergleichsweise sehr angenehmes und fast unspektakulär schlichtes mich all-eins fühlen mit und in der mich umgebenden Natur; voll Vertrauen ins Leben und dankbar für alles, was ist. Mit einem Wort: glücklich.

Ich bin Jakob Horvat, Florian Palzinsky und Gregor Hochleitner und allen Männern in der Gruppe von Herzen dankbar für dieses Retreat. Es war ein Power-Boost für mein Mann-SEIN. Unser herzerfrischendes und zugleich achtsames miteinander SEIN war einfach nur schön, tiefgehend und inspirierend. Es ließ mich unmittelbar anknüpfen an das Warum meines Lebens: mein Lieben, Leben und Arbeiten zusammen mit meiner Frau für cordat herzensbildung

Das sind wir: Nicki und Christian. Willst auch du deinem Herzen und deiner Leidenschaft, dann komm in die Weiterbildung TOOLBOX ACHTSAMKEIT! – Foto: Georg Schraml, meditative Fotografie.

Hier gehen wir all in. Auch und gerade mit der Weiterbildung TOOLBOX ACHTSAMKEIT geben wir alles. Unsere Erfahrungen aus zehn Jahren unser Leben vom Hirn aufs Herz Umkrempeln und neun Jahren aus einer Haltung und Praxis der Achtsamkeit und Herzensbildung ein gelingendes Leben Kreieren – beruflich wie privat. Die TOOLBOX ist uns ein echtes Herzensanliegen. Am 27./28. September starten wir mit Modul 1 in einen neuen Durchgang dieses Kursformats für Menschen, die vom Kopf ins Herz finden wollen. JETZT ist die beste Zeit, sich noch anzumelden!

PS: Besonders geeignet auch für Führungskräfte, Coaches, Trainer, Berater sowie Menschen in sozialen, pädagogischen, therapeutischen und pflegenden Berufen. – Achtung: Die Teilnahme an dieser Weiterbildung hat das Zeug zu einer lebensverändernden Unternehmung. Sie gibt Gelegenheit, sich über einen Zeitraum von mehreren Monaten mental, emotional und körperlich neu zu justieren; zu einem mit sich selbst und über sich hinaus verbundenen, einem liebevollen und präsenten Menschen! ❤ 

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* Zu unserem Leben auf einem alten Gutshof und in der Yurte (Dezember 2021 bis Januar 2024) gibt es auf diesem Blog zahlreiche Beiträge.

2 Kommentare zu „Wann ist ein Mann ein Mann? Teil 2: All-ein für eine Nacht im Wald

    1. Oh ja, lieber Tim, das war es! Es zählt jetzt in unserem every day life, die – neu hinzugewonnene Energie und die Erkenntnisse in die kleinen Dinge, Fragen, Entscheidungen und in die innere und äußere Haltung zu integrieren. Mögen wir alle dranbleiben und unser kraft- und liebevolles Mann-Sein zum Nutzen von uns selbst und aller um uns herum immer mehr entfalten!

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