Für + Erika, + Dr. Klaus Czeguhn, + Chris Rea und alle liebevollen Menschen
Sanft fällt mit der beginnenden Weihnachtszeit so ein Jahr wie eine Tür ins Schloss. Bald schon wird ein neues mit Pauken und Trompeten begrüßt. Wo ist es nur hingekommen, frage ich mich – wieder einmal. Als wir den Christbaum holten, dachte ich, den Weg zum kleinen feinen Gärtner außerhalb der Stadt erinnernd: Das kann doch nicht schon ein Jahr her sein?

Abschied von einem Jahr, Abschied von einem Leben
Unglaublich kurz kann so ein Jahr sein. Wo es doch gleichzeitig so intensiv war. Und, eine Erkenntnis der letzten Wochen, wo es bei vertrauten Menschen nicht nur um das Abschiednehmen eines Jahres ging, sondern das Abschiednehmen von einem ganzen Leben: Wie kurz ist doch ein Leben? Selbst wenn es 70, 80 oder gar 90 Jahre zählte…
Was hast du vor mit deinem wilden kostbaren Leben?
Angesichts der Wieder-Erkenntnis der Kürze des Lebens wird die Frage von Mary Oliver aus ihrem „Sommergedicht“ umso dringlicher.
Ich weiß nicht genau, was ein Gebet ist. Ich weiß nur, wie man aufmerksam ist, wie man sich ins Gras fallen lässt, wie man sich im Gras niederkniet, wie man mußevoll und gesegnet ist, wie man durch die Felder streunt, denn das ist es, was ich den ganzen Tag lang getan habe. Sage mir, was hätte ich sonst tun sollen? Stirbt nicht alles zu guter Letzt, und viel zu schnell? Sag mir, was hast du vor mit deinem einen wilden, kostbaren Leben?
Aufmerksamkeit, Muße, Präsenz
War ich aufmerksam in diesem Jahr? Bin ich durch die Felder gestreunt? Habe ich im Gras niedergekniet und den Grashüpfer beachtet? Hab ich mir und all den Dingen und Menschen um mich herum Muße gegönnt, unverzweckte Zeit, pure Präsenz, Sein anstelle von Tun?
Erfüllung in der Natur
Zu meinem Geburtstag dieser Tage habe ich berührende Worte meines 17jährigen Sohns geschenkt bekommen. Auf ein selbst aufgenommenes Sonnenaufgangsfoto (das Titelbild dieses Blogartikels!) schreibt er unter anderem: „Doch du gabst mir auch noch was anderes mit auf den Weg des Lebens. Den Gefallen an der Natur und den Bergen. In dieser Veränderungsphase meines Lebens merke ich, dass die Natur und alles, was dazu gehört, mich zu 100% erfüllt.“
Womit könnte mir als Vater wohler und wohliger ums Herz sein, als dass mein Sohn als junger Erwachsener Erfüllung in der Natur findet?

Niemand ist fort, den man liebt
Einen Tag vor dem Hl. Abend noch eine Beerdigung. Die Tochter des Verstorbenen ist mir in den letzten Jahren ans Herz gewachsen, ihren Vater habe ich leider nicht mehr kennen gelernt. Oder doch? Hier nämlich bei seiner Abschiedsfeier? Nicht nur bei den Worten des Pfarrers zur Biographie des Verstorbenen; auch bei der kurzen Begegnung mit dessen Bruder und weiteren Angehörigen: Überall war der Glanz des Verstorbenen in den liebevollen Erinnerungen. Ein Mann der Tat scheint er gewesen zu sein, ein Gestalter, ein „Macher“, wie man heute sagt. Ein Mensch, der – in einem liebevoll behütenden Elternhaus aufgewachsen, durch die Wirren des Krieges und der Teilung Deutschlands aber in schwierige Umstände geraten – sich mit Willen, Fleiß und großen Gaben durchgekämpft und gleichzeitig große menschliche Qualitäten entwickelt hat und dazu noch musisch-kreativ war. Hier ist einer gegangen, der sein Potenzial gehoben und große Verantwortung übernommen hat. Ein Vorbild? Er habe „immer geliebt – nie gehasst, immer gefördert – nie zerstört“, heißt es in der Todesanzeige. Und im Sterbebild: „Niemand ist fort, den man liebt. Liebe ist ewige Gegenwart.“
Inzwischen singen wir zaghafte Lieder
Das gilt auch für Erika, die Schwiegermutter meines Bruders, die wir vor wenigen Wochen verabschiedet haben. Ihr Leben war ein Leben für andere. Sie hat immer alles gegeben und ist dabei auch über ihre Grenzen gegangen. Sie hat sich wahrlich hingegeben für die anderen: ihre Kinder und Enkel, ihre Geschwister, ihren Mann, für die Nachbarn, für Fremde und auch für die Pflanzen und Tiere, besonders die Vögel. Und das Tanzen war mindestens in ihren jungen Jahren ihr Leben. Mein Bruder Steve Heitzer hat aus Gedanken einer Freundin seiner Schwiegermutter und zusammen mit deren Töchter dieses schöne Lied gedichtet:
Tanzend und leicht / Dancing and light
Finde du dich dort wieder / may you find yourself there
Inzwischen wir hier / here the night turns to dawn
Singen zaghafte Lieder / as we sing this timid song
Liebevolle Aufmerksamkeit, liebevolle Erinnerung
Was von einem Jahr bleibt, ist dasselbe, was von einem Leben bleibt: Liebevolle Aufmerksamkeit den Wesen und Dingen gegenüber und am besten auch für sich selbst. Liebe bleibt in Erinnerung. Liebevolles, Schönes erinnere ich aus diesem Jahr. Viel Liebe erinnere ich von Erika. Liebe schimmert aus dem Leben von Dr. Czeguhn.

Soft light. Sanftes Licht
Dann ist da noch Chris Rea. Erst vor wenigen Tagen habe ich zu Nicki gesagt: „Driving home from Christmas“ von Chris Rea ist mein längstes Lieblingsweihnachtslied aus der Popmusik. Ende der 1980er Jahre war mein alltägliches Leben voll mit den Liedern aus Chris Reas Album „On the beach“. In einem meiner Lieblingslieder aus diesem Album heißt es:
Your room’s filled with soft light / Safe and secure
Mine ist the dark night / And nothing’s for sure
We’re just passing through
Chris Rea ist am 22. Dezember 2025 gegangen. Danke für diese einzigartige Stimme, danke für so viel wundervolle Musik!
Das Leben ist einfach
Vielleicht ist das Leben gar nicht so kompliziert, wie wir gewöhnlich denken. Es ist einfach: Wir brauchen nur ganz da sein – nicht im gestern oder morgen versinken. Wir dürfen ganz wach sein – und müssen uns nicht durch irgendwelche Geschichten anderer, spezielle Substanzen oder social media betäuben. Wir können Liebe und Vertrauen schenken – und Groll, Angst und Rache lassen. Mit Betäubung, Groll und Angst vergeuden wir wertvolle Lebenszeit. Was bleibt, ist echte, tiefe, liebevolle Begegnung mit allem, was um uns ist. Moment für Moment für Moment. Das nämlich schenkt uns nicht nur unmittelbar ein gelingendes glückliches Leben. Es lässt jenes immerwährende Leuchten liebevoller Erinnerung zurück. Vielleicht unsere eigentliche Lebensaufgabe, unser Beitrag in dieser Welt.

Sanft fallen und immerwährend leuchten
Sanft wie eine Tür fällt also dieses Jahr ins Schloss. Möge es nicht wie ein Hagelkorn oder ein Regentropfen fallen sondern sanft wie Schnee. Möge es uns so auch einmal mit unserem Leben gehen.

„Life as short as the falling of snow“. Von der britischen Pop-Band Coldplay gibt es diese schöne Zeile im Lied „Everglow“. Dazu heißt es – durchaus schön von KI formuliert: The line speaks to the fleeting nature of life and relationships, contrasting with the lasting, warm „everglow“ of memory and love. Diese Liedzeile spricht von der flüchtigen Natur des Lebens und der Beziehungen, im Gegensatz zum bleibenden warmen immerwährenden Glühen von Erinnerung und Liebe.

Möge dieses Jahr – und unser ganzes Leben – vom Schimmer und dem Glühen warmer Erinnerungen voll sein. Und mögen wir dieses zu Ende gehende Jahr in Shavasana legen. Lassen, loslassen, überlassen, (gut) sein lassen.

Wir, Nicole Katharina Balej und Christian Heitzer-Balej von cordat herzensbildung, freuen uns auf das kommende Jahr ganz besonders, weil wir uns selbst mit unserem Pilgerretreat auf dem Franziskusweg in Italien einen Herzenswunsch erfüllen.

Endlich können wir nun anknüpfen an die frühen cordat-Jahre und gehen wieder mit einer Gruppe in dieser zauberhaften Landschaft auf den Spuren dieses großen Heiligen. Es gibt noch wenige Plätze und wir freuen uns sehr, wenn die Gruppe komplett wird. Vielleicht mit dir?
Außerdem schlägt auch im neuen Jahr unser Herz für unser Weiterbildungs- und Begleitungsformat TOOLBOX ACHTSAMKEIT, das mit dem ersten von sechs Modulen am 7./8. März 2026 in einen neuen Durchgang startet. Bis 31.12.2025 noch mit Frühbucherrabatt! Weitere Infos zu unserer Arbeit und unseren Veranstaltungen unter www.cordat.org!
