A Sky Full of Stars. Oder: Sind wir noch zu retten?

„Christus, der Retter ist da“ singen wir in „Stille Nacht“ am Heiligen Abend. Sind wir denn noch zu retten? Wenn ja, wie? Geht uns auch heute ein Stern auf, so wie damals über Betlehem? 

Sonnenaufgang vom Watzmannhaus. – Fotos, wenn nicht anders gekennzeichnet: Christian Heitzer-Balej.

Es ist Krise. Darf man dennoch glücklich sein?

Die (gesellschafts-) politische Situation in Palästina um das Jahr 0 unserer Zeitrechnung war, nun ja, auch nicht gerade entspannt. Die Römer waren Besatzungsmacht und die Sehnsucht war riesengroß, dass da einer kommt wie damals David, ein König der Juden statt eines römischen Königs; einer also, der das jüdische Volk befreit: der Messias, der ‚Gesalbte‘ (gr. Christos). Tatsächlich kam in diesem Jesus von Nazareth nun einer, der sich als „der, der kommen soll“ verstand, als Befreier. Wenn auch auf andere Weise. Er war wirklich ein Revolutionär, ein Rebell. Doch einer des Friedens und der Liebe. Er konnte auf den Tisch hauen, vor allem aber war er ein Heiler, ein Prophet, ein Weiser. Sein Beispiel an Präsenz, seine Wirkungsgeschichte überdauert schon 2000 Jahre. Seine Aktion, seine Taten speisten sich aus der Kontemplation, dem Rückzug in die Stille, dem Gebet. Und er setzte auf Gemeinschaft. Auch wenn sie kein Geschichts- sondern eher ein Geschichtenbuch ist, ist das alles schon in der Bibel nachzulesen. Doch auch danach: Keine Zeit ohne Kriege. Keine Zeit ohne Drama. Auch heute wieder: Kriege in der Ukraine, in Nahost, dazu „Klimakrise“ und die Reihe mit „Solingen“, „Breitscheitplatz“, „Halle“, „Magdeburg“.  Darf man dennoch nach Glück streben oder gar glücklich sein?

Foto: Samuel Heitzer

Unser schwieriges Verhältnis zum Glück

Das Universum hat mir das Geschenk gemacht, dass das so nostalgisch-charmante Ostentorkino, das sich in der Nähe unserer schönen Wohnung am östlichen Stadtrand von Regensburg befindet, just an meinem Geburtstag den berührenden Film „Weisheit des Glücks“ von und mit dem Dalai Lama ausgestrahlt hat. Obwohl er selbst 1959 in einer Nacht-und-Nebel-Aktion aus Tibet fliehen musste und bis zum heutigen Tag dorthin nicht mehr zurückkehren konnte, obwohl sein Volk gepeinigt wird und unter den chinesischen Aggressoren leidet, spricht der Dalai Lama gern und viel, vor allem aber selbstverständlich über „happiness“, also „Glück“. „Glück“ ist im Deutschen ein etwas schwieriges Wort. Die eine Lesart sieht in „Glück“ das zufällige, unerwartete, vielleicht sogar unverdiente, eben plötzlich zu-fallende Glück; vom freien Parkplatz bis zum Lottogewinn. Die andere Lesart meint das – wie man gemeinhin denkt: eigentlich unerreichbare –  ganz große Glück des Lebens. Geradezu das Paradies, den Himmel auf Erden. Darf man sich Glück überhaupt wünschen – ich meine: sich selbst wünschen? Gerade zum Geburtstag, zu faktisch allen Übergängen im Leben: Geburt, Hochzeit, Umzug, neues Jahr wünschen wir – anderen – Glück. Aber für sich selbst? 

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Sinn des Lebens

Für den Dalai Lama ist das selbstverständlich. Er geht sogar so weit, dass er im Streben nach Glück den Sinn des Lebens sieht. Vielleicht wünschen sich ganz eigentlich sehr viele Menschen insgeheim tatsächlich diesen Sinn des Lebens. Aber wir haben hier, was der Dalai Lama bis heute nicht wirklich „am Westen“ versteht, einen Hang zur Selbstverachtung (anstelle von Selbstfreundlichkeit oder gar Selbstliebe), flankiert von einer verschrobenen Vorstellung von Mitgefühl – im Sinne eines Mit-Leidens beziehungsweise einer Selbstaufopferung. Wir dürfen lernen, dass Selbstfreundlichkeit oder gar recht verstandene Selbstliebe nicht egoistisch ist und auch nicht das Gegenteil sondern die Voraussetzung für ein Mitgefühl, das andere wirklich im Herzen bestärkt; das eben nicht zur Selbstaufgabe führt sondern zu einem gegenseitig bestärkenden Energiefluss.

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Von wo kommt uns also nun Rettung?

Kommen wir zu unserer Ausgangsfrage zurück. Es ist – im wahrsten Sinne – „an der Zeit“, das Warten auf irgendjemanden zu beenden und uns selbst aufzumachen. Unser inneres Potenzial entfalten. Mich hat vor ein paar Jahren sehr berührt, wie der Wiener Coach und Astrologe Günter Kerschbaummayer (@matrix-coaching) in einem persönlichen Gespräch mir und Nicki gegenüber (und damit den studierten Theologen in uns) selbstverständlich vom „Christusbewusstsein“ gesprochen hat. Erst recht als „Christian“, also als – wie es mein Schwiegervater kürzlich zu meinem Geburtstag eigens nachgeforscht und mir präsentiert hatte (mir als Theologe natürlich bekannt, aber ich habe es mir tatsächlich lange nicht mehr bewusst gemacht) – Nachfolger dieses Christus, des ‚Gesalbten‘ also, hebr. Messias, möchte ich gerne genau dieser Spur unseres Coach-Kollegen Günter Kerschbaummayer folgen: Ja, es ist an der Zeit, dass wir Menschen den göttlichen Funken in uns zu einem Feuer entzünden. Unseren innewohnenden Stern aufgehen lassen. Und, weil die allermeisten Sterne am Himmel, die wir sehen können, letztlich Sonnen sind: unser Licht, unsere Wärme, unsere unbändige Energie loslassen. 

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Den inneren Stern aufgehen lassen

Wenn wir diesen Weg gehen, gibt es nicht nur einen Stern am Himmel: Dann sind wir zusammen „a sky full of stars“, ein ganzer Himmel voller leuchtender Sterne. Es kommt jetzt auf jede und jeden einzelnen an. Wir dürfen uns nicht mehr auf „die Politik“ oder „die Wirtschaft“ oder „die Gelehrten“, „die Wissenschaft“ oder die (anderen) „Weisen“ verlassen sondern unser eigenes Licht leuchten lassen und so unseren originalen Beitrag leisten. Auch der Dalai Lama hat am Abend seines eigenen Lebens in dem genannten Film die Geschichte von dem Guru und seinen Schülern erzählt – und natürlich auch sich selbst gemeint: Von wem sei Führung und Rat zu erwarten, wenn der Meister nicht mehr ist? Auf uns selbst kommt es jetzt an. Wir hatten genug Lernbeispiel(e). Jesus, Mohammed, Buddha und viele andere.

Aufwachen und das Herz leuchten lassen

Der neben dem Dalai Lama andere große, vor bald drei Jahren verstorbene buddhistische Lehrer Thich NhatHanh hat es vor dem sich dramatisch verändernden Klima auf unserem Planeten so beschrieben:

Wir müssen gemeinsam aufwachen. Und wenn wir gemeinsam aufwachen, dann haben wir eine Chance. Unsere Lebensweise und Zukunftsplanung haben uns in diese Situation geführt. Und jetzt müssen wir genau hinschauen, um einen Ausweg zu finden, nicht nur individuell, sondern kollektiv, als Menschheit. … Ich habe oft gesagt, dass ein Buddha nicht ausreicht; wir brauchen ein kollektives Erwachen. Wir alle müssen Buddhas werden, damit unser Planet eine Chance hat. 

In: Thich Nhat Hanh, Zen und die Kunst, die Welt zu retten. Heilung und Harmonie für uns selbst und die Erde. München 2024, S. 16

Mehr noch als zuletzt schon dürfen wir also unsere Wahrnehmung üben, unsere „Wachheit“, „Bewusstheit“ – mit einem anderen Wort: Achtsamkeit (mindfulness). Und gleichzeitig dürfen wir unser Herz aufmachen, wissen, wie wir immer wieder unsere innere Mitte finden; immer neu jene Herzkohärenz finden, diesen entspannten und gleichzeitig produktiven Zustand, den unser brillantes Gehirn im Kopf als Partner braucht. Mit einem anderen Wort: Herzensbildung (heartfulness).

Wir, Nicki und Christian, von CORDAT in unserem Seminarraum am Sankt-Georgen-Platz in Regensburg, wo unsere Retreats und Weiterbildungen zu Achtsamkeit und Herzensbildung stattfinden.

Weisheit des Glücks

Möge bei uns ankommen, dass wir jetzt gefragt sind, selbst anzupacken. Ganz konkret Mitgefühl, Frieden, Liebe aussäen. „Sei du die Veränderung, die du dir wünschst für die Welt!“, hat uns schon Mahatma Gandhi gesagt. Sei du selbst ein Stern! Es gibt so wundervolle Projekte um uns herum, die andere Wege gehen als die bisherigen. Private Initiativen, Wohngemeinschaftsprojekte, Solidarische Landwirtschafts- und Permakulturprojekte, Kommunen, die sich energieautark und biodiverse aufstellen, Unternehmen, die neue menschliche und herzensorientierte Wege gehen und so vieles andere mehr.* Zugleich dürfen wir tiefer und tiefer erkennen, dass wir neben oder wegen der vielen kleinen und großen Katastrophen – wirklich das kleine und große Glück sehen und finden dürfen; dass wir in diesem Bestreben beziehungsweise auf diesem Entwicklungsweg unser eigenes Licht in unserer inneren Mitte entzünden, also unser „Christusbewusstsein“ wecken, unsere „Buddha-Natur“, unseren eigenen Stern aufgehen lassen und wie eine Sonne zu leuchten und zu strahlen beginnen; dass wir so uns und anderen voll Mitgefühl dieses Glück wirklich schenken und gönnen; und in der Verbindung der Intelligenz des Kopfes und der Intelligenz des Herzens Weisheit erlangen; für das, was jetzt ansteht; für uns und für die Belange der Welt um uns herum!

Die TOOLBOX ACHTSAMKEIT ist unsere Weiterbildung für alle, die nachhaltig in eine achtsame, resiliente und emotional intelligente Haltung investieren wollen. Am 25./26. Januar startet ein neuer Durchgang mit 6 Modulwochenenden. Eine wertvolle fünfmonatige Reise mit viel Auszeit und Ruhe für den eigenen Prozess und einen Schatz an Achtsamkeitstools im Gepäck für sich selbst und für die Arbeit mit Menschen – ob als Führungskraft, Coach oder Mitarbeiter*in im sozialen Bereich. Aktuell gibt es noch einen freien Platz. Jetzt gleich buchen oder per Mail an herz@cordat.org reservieren. Alle Infos unter http://www.cordat.org.

Einige (neuere) Buchempfehlungen:

– David Steindl-Rast und Balts Nill: Der Fließweg. Gedanken zum Daodejing des Laozi. Innsbruck 2024.

– Jack Kornfield: Das weise Herz. Die universellen Prinzipien buddhistischer Psychologie. München 2008.

– Reinhard Friedl: Der Takt des Lebens. Warum das Herz unser wichtigstes Sinnesorgan ist. München 2019.

– René Borbonus: Über die Kunst, ein freundlicher Mensch zu sein. 95 einfache Wege, um Respekt, Zuneigung und Wohlwollen in die Welt zu tragen. Berlin 2024.

– Steve Heitzer: Hellwach am Leben. Auf dem Weg zu einer tragfähigen Spiritualität. Innsbruck 2024.

– Thich Nhat Hanh: Zen und die Kunst, die Welt zu retten. Heilung und Harmonie für uns selbst und die Erde. München 2024.

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*Am Ende dieses Jahres möchte ich besonders all jenen gratulieren und von Herzen danken, die in diesem Jahr ihren Stern haben aufgehen lassen:

Nicki – du bist einfach wunder-voll; danke für deine Liebe und nun zehn wundersame und wundervolle gemeinsame Jahre ❤ 

meinen Eltern Monika und Erich; danke für die Unterstützung in jeder Hinsicht!

meinen Kindern Lena, Johanna, Samuel (@world_photograph); ich freue mich so sehr, wie ihr eure Wege geht, über das wunderschöne Hochzeitsfest heuer im Mai und die Verbundenheit, die nicht weniger wird sondern weiter wächst!

Steve Heitzer (www.steveheitzer.at); Respekt, Bruder, wie du nach deinem Herzinfarkt jetzt mit deinem aktuellen Buch und deinen Retreats durchstartest – und bereits ein 3. Buch auf uns Leser*innen wartet!

Silvia+Manfred; danke für eure Beherbergung Anfang des Jahres und schön, wie ihr euren Weg zusammen geht und mutig euch in neue Ideen und Projekte begebt!

Günther+Monika; danke für die Möglichkeit, in diesen traumhaft schönen Räumen zu wohnen, für euren Rat und eure Beratung, für eure tatkräftige Unterstützung und euer Beispiel für Erfolg!

Birgit Struwe (@birgitstruwe_abenteuer) mit Volker für euer Beispiel an „Abenteuer Leben“; von eurer privaten Begleitung und Freundschaft über euer Engagement in Tansania bis hin zur gemeinsamen Gipfelstürmerei am Watzmann und Birgits Traumerfüllung im Himalaya!

Shanti + Puria für euer Lebensbeispiel und euer Leuchttumprojekt „Lebensgärten Bayerwald e.V“; so geht erleuchtetes aktives, nachhaltiges und liebevolles Engagement für Mensch, Umwelt, Natur und Gesellschaft!

Hermann Rogl für dein Beispiel an Präsenz und für dein großartiges Projekt „Lebensoase“, dessen Stern gerade aufgeht!

21Dx GmbH (@21dxgmbh); es war uns eine Ehre, Teil eures Coachings- und Trainingsprojekts für Mitarbeiter*innen in der Langzeitpflege zu sein; danke für eure zugleich professionelle und herzliche Führung und Begleitung und: wir stehen jederzeit bereit für neue Projekte und Abenteuer!

Jakob Horvat (@jakob.horvat); danke für einen bemerkenswerten und berührenden Männer-Retreat; danke für die Gelegenheit, die Kraft des Mannseins unter Männern und auf Tuchfühlung mit der Natur zu erleben und so reflektierte Männer ihren Weg entwickeln zu sehen!

Florian Palzinsky (@meditationyogaflorianpalzinsky); danke für deine gleichzeitig tiefgründig weise und humorvoll menschliche spirituelle Begleitung als Yoga- und Meditationslehrer!

Gregor Hochleitner (@ritualpfeifen); beim Männerretreat habe ich dich als so geerdeten, mit den Elementen verbundenen und inspirierenden Schamanen erlebt; da ist mir wirklich das Herz und ein Stern und ein Licht aufgegangen!

Tim für die Organisation des wundervollen Yoga-Sound-Sea-Festivals (@yogasoundsea) in Steinberg am See!

comitas, einem ambulanten Pflegedienst in Passau; auf den letzen Metern des Pflege-Projekts habe ich euch noch kennenlernen und in der „Herzensbildung“ ein gemeinsames Anliegen entdecken dürfen: Ihr lebt nach innen und außen euer schönes Motto „Mensch sein, Mensch bleiben“ und haltet auch unter rauen Bedingungen euren Stern hoch: Chapeau!

Franziskus; wie froh bin ich, dass du mit einem kunstvoll erneuerten Herzen dein Herzensmensch-Leben mit neuer Kraft angehen darfst!

so vielen weiteren: Thomas Schmucker und seine wundervolle „Tangoschule Regensburg“, Veronika Kammholz und ihr „Zentrum für Lebensfreude“, Andreas und Rita Sturm und ihr „eulewerk“, Lara Hellmig und ihre „Donauevents“, Christian + Sabine Strahl von @moonchild.massage, Melanie (@melani_maria_sherin), Angie, Petra Bartoli y Eckert, Mary Glue Yoga, Sarah Dietl, Anja Witschel, GeorgyArt, Kia Böck von „kein Bla Bla“, Michaela Störr, Georg Schraml (@gschraml), Elke Lehner-Novokowsky (@skyelke0311), KolpingAkademie Augsburg (@die_kolping_akademie)

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