Wie geht Achtsamkeit im Führungsalltag? Wir sind gerade frisch zurück von einem Seminar mit Führungskräften eines großen Unternehmens. Es war ein besonderes Seminar mit besonderen Menschen. Und das nicht nur, weil ihr Unternehmen gerade in einer schwierigen Phase ist. Es gab unter den Teilnehmer*innen ein außerordentliches Bedürfnis nach Ruhe. Vom Sprung aus dem pickepackevollen und streng durchgetakteten Businessalltag in ein Kloster als Tagungshotel formulierte einer der Teilnehmer sogar die Sehnsucht nach „Langeweile“. Alle haben sich vielleicht in diesem Moment gefragt: Ja, wann hatte ich eigentlich das letzte Mal so etwas wie „einfach Zeit“; „Muße“; „nichts“ bzw. „nichts vor“; oder eben so etwas wie „lange Weile“?
Achtsam sich selbst führen
Achtsamkeit als Führungskraft heißt in allererster Linie, achtsam mit sich selber sein – also die eigenen wirklichen Bedürfnisse wahrnehmen, benennen können und natürlich dann versuchen, sie zu erfüllen. Sich in so schlichten wie kraftvollen Übungen Tools aneignen, um mitten im – beruflichen wie privaten – Alltag immer wieder ganz bewusst aus dem Hamsterrad herauszutreten. Das ganze körperliche, mentale und emotionale System zu ent-spannen und damit der Überforderung entgegenzuwirken. Mehr noch: sich die Freude am Arbeiten und Leben zu bewahren.

Achtsamkeit und Resilienz co-kreieren
Neben unserer selbständigen Tätigkeit für cordat herzensbildung sind Nicki und ich seit Februar dieses Jahres im Team der Coaches und Trainer*innen der Fa. 21 Dx, die im Rahmen eines staatlich geförderten Projekts Resilienztrainings und Teamcoachings für Mitarbeiter*innen in der Langzeitpflege durchführt. Wir haben diese Arbeit, die Mitarbeitenden in den Einrichtungen (von den Pflegekräften über die soziale Betreuung, Hauswirtschaft und Reinigung bis zu den Führungskräften) und auch das Team von 21 Dx sehr ins Herz geschlossen. Wir erleben es so professionell wie menschlich zugewandt. Was CORDAT und 21 Dx verbindet, sind die Anliegen RESILIENZ und ACHTSAMKEIT. Schon diese inhaltliche Verbindung stiftet Verbundenheit. Und VERBUNDENHEIT als die Überwindung und Gegendynamik zur allgegenwärtigen Spaltung unserer Gesellschaften und die Entlarvung der „Illusion der Getrenntheit“ (Albert Einstein) – ist Nicki und mir tatsächlich ein drittes zentrales Anliegen.
Alles ist verbunden. Die größte Tragödie der menschlichen Existenz ist die Illusion von der Getrenntheit. (Albert Einstein)

Notstand auch im sozialen Bereich
Immer wieder ist in den letzten Jahren vom „Pflegenotstand“ die Rede. Und erst kürzlich hieß es, die Pflegekassen seien pleite. Im Moment sind wir Woche für Woche in 1-2 Pflegeeinrichtungen zu Resilienzmaßnahmen. Wir sehen in den Pflegeeinrichtungen so manche menschliche Dramen und schauen bisweilen in Abgründe – auch des Systems Pflege. Überall aber erleben wir so viele Menschen, denen die Bewohner und Klienten über alles gehen; nicht selten bis zur Selbstüberforderung.
Die Welt zu Gast
Wir treffen in unseren Trainings Menschen aus der ganzen Welt. Sie sind aus Russland, aus Kasachstan, Usbekistan, Tschetschenien, Syrien, der Mongolei. Aus Peru und Honduras. Von den Philippinen und aus Thailand. Aus Togo, Tunesien, Madagaskar und von der Elfenbeinküste. Aus der Ukraine, aus Rumänien, aus Polen, Ungarn, Kroatien, Spanien. Menschen, die schon länger nach Deutschland gekommen sind oder sich erst in letzter Zeit nach Deutschland geflüchtet haben. Mit ihren Biographien und teilweise ihren Fluchtgeschichten. Mit ihren Mentalitäten, Sprachen, Kulturen, Religionen, Prägungen, Geschichten. Ihnen zuzuhören ist ein großes Geschenk. An sie und für uns.

(K)ein Lächeln zu viel?
Manche erzählen ihre Geschichten; teilen ihre Erfahrungen; lassen ihre Positionen zu den großen Themen und Dramen des Weltgeschehens durchblitzen. Manchmal frage ich sie, wie sie Deutschland erleben. Was fällt ihnen auf, was überrascht sie? Einmal erzählt eine Frau aus Peru, die schon über 20 Jahre in Deutschland ist und arbeitet, sie habe sich „das Lächeln abgewöhnt“. Zu oft sei sie „darauf hingewiesen worden, dass es hier nichts zu lachen gibt“. Das sei hier „eine ernste Sache“. Das hat mich richtiggehend erschaudern lassen.
Warum wir diese Menschen so brauchen

Seither flehe ich die noch so spürbar lebensfrohen, freundlichen und immer heiteren Zeitgenossen aus Südamerika, Asien und Afrika an, sich bitte bitte ihr Lächeln n i c h t ausreden zu lassen oder abzugewöhnen; ihre Leichtigkeit, das Tänzerische unter allen Umständen zu bewahren, denn das sei es, was w i r neben ihrer Arbeitskraft so notwendig brauchen. „Ihr seid so wichtig und richtig hier mit eurer Mentalität!“, habe ich ihnen gesagt. „Nicht nur ihr braucht von uns etwas, vielleicht Schutz und eine Perspektive. Auch wir brauchen euch, eure Energie, eure Heiterkeit und Lebensfreude, euer Lächeln, Lachen und Tanzen so dringend!“ Mit ganz großen Augen schauen mich da manche an. Vielleicht hat ihnen das noch niemand gesagt. Und natürlich sag ich ihnen das nicht, weil ich ein „Gutmensch“ bin, sondern weil ich davon so tief überzeugt bin! Die Entwicklung unserer Gesellschaft(en), die nicht wenige Menschen als Teil einer großen allgemeinen Transformation verstehen, braucht gerade auch diese leichte, zugewandte, freundliche, ja liebe-volle Energie.
Achtsamkeit, Resilienz und Verbundenheit

Die Inhalte unserer Trainings sind ACHTSAMKEIT und RESILIENZ. Und genau so geht Achtsamkeit praktisch und in Echtzeit: Für sich und bei den anderen „wahrnehmen, was ist; während es geschieht; und ohne zu urteilen“, so die bekannte Definition von Achtsamkeit nach Jon Kabat-Zinn. Und nur wenn wir gemeinsam aufeinander auf diese Weise auch achten, kommen wir als Menschenfamilie zu Resilienz, also der „Fähigkeit, Krisen und Belastungen zu überstehen und idealerweise daran auch zu wachsen“ (Almut Ningel).
Wir dürfen erkennen, dass wir nur im Verbund die großen Herausforderungen lösen können. In den Unternehmen und Einrichtungen genauso wie in der Gesellschaft. Wir dürfen auf „die anderen“, die wir vielleicht als unsere „Feinde“ sehen, zugehen. Denn wir s i n d viel mehr auch mit ihnen verbunden, als wir glauben. Wir sind nicht getrennt. Wir können sogar voneinander lernen. Was uns an „den anderen“ triggert, weist uns den Weg zu unseren eigenen Baustellen, zu unseren „Schatten“, wie C.G. Jung das genannt hat.
The greatest moment in our lives is, when we allow us to teach each other. Der größte Moment in unseren Leben ist, wenn wir uns erlauben, einander zu lehren. (Tina Turner)
Zum Nutzen aller
In diesen Trainings profitieren alle: die Trainingsteilnehmer*innen selbst; durch die Inhalte und Übungen, durch die Selbstreflexion; von den anderen Teilnehmer*innen, vom Austausch der Erfahrungen und auch den Beispielen ihrer Lebensgeschichten. Auch das familiäre und kollegiale Umfeld der Teilnehmer*innen gewinnt, ihre Klient*innen und Kund*innen. Die Führungskräfte, die Unternehmens- bzw. Einrichtungsleitung und das ganze Unternehmen bzw. die Einrichtung. Es macht etwas mit der Atmosphäre, der Unternehmens- und Einrichtungskultur. Und beschenkt werden auch wir, die Trainer*innen und Coach*es. Mit dem gelebten Leben. Mit neuen Erkenntnissen zu den von uns eingebrachten Themen ACHTSAMKEIT, RESILIENZ UND VERBUNDENHEIT aus den unter Menschen aus aller Welt geteilten Erfahrungen.
Was jetzt zählt
Dann kommt da noch die Nachricht, dass VW Werksschließungen mit der Freistellung von Zehntausend(en) Mitarbeiter*innen plant. VW ist ein Gigant in der von der Autoindustrie so geprägten deutschen Wirtschaft. Wenn dieser Dominostein wankt, gilt Alarmstufe Rot. Da ist, was wir zuletzt erlebt haben mit einer stagnierenden Wirtschaft, nur ein Windhauch. Die Angst geht um. Doch selbst Führungskräfte unseres Seminars, selbst in Diensten eines großen deutschen, international agierenden Unternehmens, sagen: Vielleicht braucht es diesen Moment jetzt. Angst muss nicht lähmen. Angst macht auch hellwach. Krise heißt Unterscheidung. Krise ist die Gelegenheit, sich klar zu werden: Wer bin ich und was will ich bzw. das Unternehmen wirklich? So wie die Unternehmen dürfen wir alle in unsere Wahrnehmungsfähigkeit* (Achtsamkeit) investieren; in unsere Herzintelligenz und unser Bauchgefühl; in unsere Intuition; in unsere mentale und emotionale Geschmeidigkeit (Resilienz) und in Verbundenheit. Damit wir uns nicht beirren lassen und auch damit wir nicht in den Abgesang einstimmen, sondern die Transformation befördern. Auf dass wir als einzelne, als Staat(en) und als Gesellschaft(en) durch Krisen gehen wie durch den Geburtskanal in eine neue Klarheit; in ein neues Wirtschaften jenseits des bisher dominierenden Wachstumsparadigmas; eine auf Verbindung setzende Politik; ein friedvolles Aufgehobensein in einer diversen Gesellschaft, wo vieles gleichzeitig gelten darf; wo wir co-kreativ neue Lösungen finden für die Herausforderungen in unseren Leben, in unseren Unternehmen und einer sich verändernden Gesellschaft und Welt.
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* Nicht zuletzt durch KI haben auch Bilder und Videos keine Beweiskraft mehr; wir dürfen uns schon heute und erst recht in Zukunft wieder auf unsere eigenen Antennen schulen, wenn es darum geht, zu verifizieren, was (für uns) richtig oder falsch, besser stimmig und sinnvoll ist.

DER SPRINGENDE PUNKT ist unser Trainingsprogramms für Achtsamkeit, Resilienz & Verbundenheit in Unternehmen. Das Programm richtet sich an alle Unternehmen, Organisationen, Einrichtungen. Ob in der freien Wirtschaft, im produzierenden Gewerbe, im IT-Sektor, im Handwerk, in Forschung/Entwicklung, im sozialen oder im Gesundheitsbereich oder in der Verwaltung: Mit unseren Trainings stellen wir den Mitarbeiter:innen Tools zur Verfügung, die ihre mentale und emotionale Gesundheit verbessern – unabhängig von der Branche oder Größe des Unternehmens, der Organisation oder Einrichtung. Das Programm enthält eigene Bausteine für Führungskräfte. Es stärkt den Kern, das Herz des Unternehmens. Es fördert die Produktivität und stärkt die Verbundenheit, die zwischenmenschlichen Beziehungen – zum Wohl und Erfolg des gesamten Unternehmens! Alle Infos dazu unter www.cordat.org.
