Zwei weitere glühende Lavasteine werden in die Mitte des Inipis gebracht. Späne des Heiligen Holzes (Palo Santo) darüber gestreut. Das Glitzern des Universums auf den ältesten Wesen dieses Planeten. Der Meister hebt an: „Sei bereit! Nun steigt der Krieger in dir aus den glühenden Steinen und setzt sich vor Dich. Werde seiner gewahr. Umarme ihn. Nimm ihn in dich auf und lasse ihn sein.“

Demut
Ich sitze mit dreizehn weiteren Männern* in der stockdunklen engen Schwitzhütte. Sie ist so niedrig, dass ich nicht aufrecht sitzen kann. Was für das Atmen, das hier ob der Hitze eh nicht leicht fällt, von Vorteil wäre. Doch Gregor, der Zeremonienmeister, erklärt, das das Absicht ist. So zu sitzen lehrt uns die Demut. Traditionell sei die Schwitzhütte der Lakota noch niedriger gebaut. Diese Höhe sei schon ein Zugeständnis an uns Europäer.
Den Krieger in mir umarmen
Die dritte Runde dieser Schwitzhüttenzeremonie der Männer ist dem friedvollen Krieger in uns gewidmet. Vier Runden gibt es. Gregor hatte das zuvor nicht erläutert. Sehr weise von ihm, wie ich jetzt weiß. „Es geht hier nicht darum, wer es am längsten aushält. Männlicher ist nicht, wer länger drin bleibt. Es ist wichtig, seine Grenzen zu erkennen und zu achten. Du sollt wohl an deine Grenzen gehen und gern über die Grenze schauen. Aber es geht auch darum, dich und deine Grenzen zu ehren und dich gut sein zu lassen, wie du bist.“ Wie froh bin ich, dass Gregor das mit der Kriegerrunde nicht vorab gesagt hatte. Es hätte mich unter Druck gesetzt – war ich doch hier auf diesem Retreat mit genau dieser Absicht: den Krieger in mir zu umarmen. Und wie froh bin ich nun, dass es mir in den ersten beiden Runden so gut ging, dass ich mir die dritte noch zutraute; nicht wissend, dass es die „Krieger-Runde“ sein würde. In der ich nun buchstäblich dem Krieger in mir begegnen, ihn erkennen und umarmen durfte. Ihn annehmen, aufnehmen und bei mir sein lassen.

Ein Geschenk der Frauen
„Die Schwitzhütte ist das Geschenk der Frauen an die Männer, die – anders als die Frauen mit ihrer regelmäßigen Menstruation – keinen körpereigenen Reinigungsritus haben“, erklärte uns Gregor bei der Einführung in diese Zeremonie. Die Schwitzhütte, in der Sprache der Indigenen das „Inipi“, ist eigentlich eine Kugel. Die zweite Hälfte der Kugel steckt in der Erde. Die Kugel ist die Gebärmutter der Erde. In ihrer Mitte der glühende Kern mit den Steinen.
Neugeburt
Am Ende dieser Runde bin ich an der Grenze. Die Luft wird mir zu knapp und mein Herz beginnt mich stechend zu warnen. Ich wahre die Regeln und verlasse das Inipi im Uhrzeigersinn um die Steine krabbelnd heraus aus der nun geöffneten Tür. Ich robbe mit letzter Kraft aus der Kugel und schleppe mich in die Nähe des Feuerplatzes. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, aus totaler Erschöpfung heraus den Körper erwachen zu sehen; zu erleben, wie er – schier tot – von Moment zu Moment, Minute für Minute an der frischen Luft regeneriert. Erst mit der Zeit werde ich gewahr, dass ich da immer noch nackt auf der Erde liege. Wie ein neu geborenes Menschenjunges aus dem Uterus der Heiligen Mutter Erde (Pacha Mama) geschlüpft.
Aufgehoben im Großen Ganzen
Das Ritual der Schwitzhütte ist ein Andersort. Eintauchen in ein archaisches Leben jenseits der so genannten zivilisierten Welt. Es ist wie ein Heimkommen in die Natürlichkeit: das totale Eingebunden- und Verbundensein in der Natur. Auf die Erde geworfen, zur Welt gebracht. Wesen unter Wesen, eins mit und aufgehoben im Großen Ganzen.

Über meine Erfahrungen aus der dem Schwitzhüttenritual vorausgegangenen Visionsnacht berichtet der zweite Teil dieses Blogbeitrags. Wer keinen Beitrag verpassen möchte, einfach diesen Blog abonnieren und du erhältst immer eine Meldung, wenn ein neuer Beitrag erscheint!
Ich bin Jakob, Florian und Gregor zufiefst dankbar für dieses Retreat. Es hat eine wesentliche und bisher vernachlässigte Seite meines Instruments gestimmt: das Mann-Sein. Ihre achtsame und gleichzeitig couragierte Art empfand ich als inspirierend und zugleich auch unmittelbar anknüpfend an meine eigene Arbeit mit meiner Frau für CORDAT. Unser Herzensprodukt ist die Weiterbildung TOOLBOX ACHTSAMKEIT. Am 27./28. September starten wir mit Modul 1 in einen neuen Durchgang dieses Kursformats für Menschen, die vom Kopf ins Herz finden wollen; die eine Praxis und Haltung der Achtsamkeit einüben oder vertiefen möchten. Besonders geeignet auch für Führungskräfte, Coaches, Trainer, Berater sowie Menschen in sozialen, pädagogischen, therapeutischen und pflegenden Berufen. – Achtung: Die Teilnahme an dieser Weiterbildung hat das Zeug zu einer lebensverändernden Unternehmung. Sie gibt Gelegenheit, sich über einen Zeitraum von mehreren Monaten mental, emotional und körperlich neu zu justieren; zu einem mit sich selbst und über sich hinaus verbundenen, einem liebevollen und präsenten Menschen!

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* Die Zeremonie war Teil des Retreats „Mann. Sein“ von Jakob Horvat und Florian Palzinsky. Infos zu den beiden wundervollen Retreatleitern unter www.jakobhorvat.com bzw. www.yogaundmeditation.at. Das Schwitzhüttenritual wurde begleitet von dem ebenso wundervollen Gregor Hochleitner (www.ritualpfeifen.com).
