Einer der Führungkräfte in diesem Seminar, nennen wir ihn Johannes*, ist genau so alt wie ich. Mit 54 Jahren hat er neben einer Familienkonstellation mit zwei kleinen Kindern aus der zweiten Ehe auch schon Enkel von seinen drei Kindern aus erster Ehe. Er liebt Stress, sagt er. Stress bedeutet für ihn, „dass sich etwas rührt“. Und er liebt es, wenn sich was rührt. Nur: Sich selbst kann er, wie er bei den Yoga-Übungen wieder zu spüren bekommt, nicht mehr so ganz uneingeschränkt rühren. Er kommt nämlich von einem Schlaganfall…

„Schnell runterfahren können“
Was er sich wünscht für dieses Seminar? „Schneller runterfahren können“, sagt er anfangs in die Runde mit seinen Kollegen. Natürlich passt das ins Bild und ist verständlich. Wer diesen Stress im Sinne eines offenbar durchaus angenehmen Arbeitsflows liebt, wen aber der eigene Körper aus diesem Ultra-Lauf heraus umgegrätscht hat, weil es insgesamt dann doch zu viel (auch negativer Stress) war, der wünschst sich die Fähigkeit, im Fall „schnell runterfahren“ zu können.

Frühzeitig für sich sorgen
Die Runde der Führungskräfte in diesem Seminar ist klein. Das ist leider kein Einzelfall. Natürlich fühlt sich jemand, der Verantwortung für ein- oder zweihundert Mitarbeiter hat, leicht unabkömmlich. Dennoch hat die Konstellation in dieser Gruppe etwas sehr Lehrreiches: Neben Johannes mit dem Schlaganfall im Hintergrund ist da noch Peter* – auch er wie Johannes Geschäftsführer mit großer Personalverantwortung: Der Mitvierziger hatte vor zwei Jahren einen Herzinfarkt – mit Herzstillstand und Nahtoderfahrung. Sandro*, 50 und Teamleiter in der IT hatte beginnenden Burnout und hat, wie er sagt, gerade noch die Kurve gekriegt. Alle drei hatten im ärztlichen Kontext bzw. auf der Reha bereits Erfahrungen mit Achtsamkeit gemacht, und sie möchten daran anknüpfen. Die zwei verbleibenden Kollegen möchten genau solche Meteoriteneinschläge vermeiden und sind deshalb hier. Und bekommen durch Johannes, Peter und Sandro die Bestätigung, warum es so unglaublich wertvoll ist, sich mit Achtsamkeit zu beschäftigen.
Das Geheimnis: radikal weglassen und Prioritäten setzen
Bei einem Spaziergang lass ich mir von Peter die ganze Geschichte erzählen. Der Herzinfarkt und seine Lehren daraus haben sein Leben komplett umgekrempelt. Und doch ist er in seiner verantwortungsvollen beruflichen Position geblieben. Mit dem Unterschied, dass er „heute manchmal nur noch 30 Stunden in der Woche zusammenbringt, wo er vorher 60 Stunden im Schnitt gearbeitet hat.“ Und das „mit dem Ergebnis, dass er heute sogar erfolgreicher ist, als vor dem Herzinfarkt.“ Das Geheimnis: Er hat gelernt, radikal wegzulassen und seine Gesundheit und seine Familie an die erste Stelle gesetzt. Er ist effizient geworden und klar in seinen Prioritäten.

Achtsamkeit ist einfach
Am Ende des Seminars hat Peter zu seiner eigenen Überraschung Sitzmeditation für sich entdeckt. Und Sandro ist nicht weniger überrascht, dass Yoga tatsächlich etwas für ihn ist. Johannes haben – zu meiner (!) Überraschung – die so genannten Niederwerfungen aus dem tibetischen Heilyoga sehr berührt. Und er will zu der Erkenntnis gekommen sein, dass „Achtsamkeit keine Raketenwissenschaft ist“. Und ich gebe ihm Recht: Achtsamkeit ist nichts Kompliziertes, kein schwer zu lernendes Entspannungsprogramm. Achtsamkeit ist einfach. Es geht um völlig simple Dinge. Vieles ist auch tatsächlich leicht in den Alltag zu integrieren: Es mitbekommen, dass ich mich auf den Bürostuhl setze oder von ihm aufstehe. Für die paar Schritte zur Kaffeemaschine hellwach beim Gehen zu sein. Den ersten Schluck Tee oder Kaffee sehr bewusst trinken; dein Mittagessen vor dem Verzehr kurz anzuschauen, dich über die Farben und den Duft zu freuen, einen Moment in Dankbarkeit innezuhalten für das nicht Selbstverständliche.
Achtsamkeit ist bärenstark
In ihrer Wirkung ist eine Haltung der Achtsamkeit allerdings bärenstark. Mit Raketenkraft kann sie dich in völlig neue Sphären von Lebensqualität und Glück katapultieren. Und, wie das Beispiel von Peter zeigt, sogar was den beruflichen Erfolg angeht. Insofern ist Achtsamkeit dann doch eine Raketenwissenschaft.

Ein Herzensanliegen der cordat herzensbildung gbr ist es, Mitarbeiter*innen und Führungskräfte von Unternehmen, Organisationen und Einrichtungen dabei zu unterstützen, eine Praxis und Haltung der Achtsamkeit (engl. mindfulness) zu entwickeln und zu kultivieren. Indem wir die tools von Achtsamkeit | mindfulness mit Herzensbildung – das heißt: Empathie, Selbstmitgefühl und innerer Motivation – und Yoga kombinieren, entsteht ein kraftvolles Paket aus mentalem, emotionalem und körperlichem Gesundheitsmanagement. Profitieren auch Sie von unserer langjährigen Erfahrung. Mehr Informationen hier bzw. unter www.cordat.org. Nehmen Sie gern direkt mit uns Kontakt auf per Mail an herz@cordat.org!
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* Alle Namen sind geändert.
