Jede Menge Prana*. Outdoor-Abenteuer mit einem Teenager (1)

Wir starten am Montag gegen Mittag unsere Outdoor-Woche, mein Sohn Samuel und ich. Meine Liebste setzt uns in der Stadt ab, wo wir noch letzte kleine Einkäufe machen. Der Rucksack wiegt jetzt schon wie Bombe. Samuel meint: Was essen wir eigentlich zu Mittag? Diese Teeneager-Frage war zu erwarten. Was er denn möchte, frage ich. „Döner“ bzw. „halt was, das herhält“, meint er und möchte wissen, wie es bei mir ist. Also ich ess sicher keinen Döner jetzt, sag ich. Spätestens seit Nicki mir die Tage wieder was von (fehlendem) Prana* in Lebensmitteln erzählt hat.

Wieviel Prana* steckt in unserem Essen?

Die „Bush-Box“, unser Dauerbrenner. Sie funktioniert wie ein kleiner Gas- oder Esbitkocher, aber eben mit kleinen Holzstücken – am besten mit kleinen Kiefern- oder Fichtenzapfen. – Alle Fotos dieses Beitrags: Samuel Heitzer und Christian Heitzer-Balej.

Prana ist im Döner sicher nicht drin. „Eine Pizza zusammen?“, fragt Samuel. Prana ist da zwar auch keins drin, aber lieber etwas ohne Fleisch, eine Margherita geht immer. Wir kommen hin zu der kleinen Pizzeria im Einkaufsland am Rande der Stadt. Es ist 14:05 Uhr. Um 14 Uhr hat sie zugemacht… „Hm, dann Asia Drive“, meint Samuel. Von mir aus. Ich möchte nicht mehr viel Zeit verlieren und jetzt einfach mal los. Gebratene Nudeln mit Gemüse für mich. Kann Spuren von Prana enthalten.

Prana jenseits des Essens

Das Essen wird auch im Verlauf der Woche – bis auf Ausnahmen – nicht mehr der große Prana-Träger werden. Das Draußen-Sein, das Sitzen am Feuer, das Baden im See und im Fluss, die viele frische Luft, das Gehen im Wald, das Schlafen im nach oben offenen Zelt (wir lassen in regenfreien Nächten das Außenzelt einfach weg), reichlich Sonne, der Sternenhimmel und die Erlebnisse und Begegnungen fluten uns jedoch geradezu mit Lebensenergie.

Verwaltung vs. wild

All das beginnt in der Drachenstadt, zugleich der Geburtsort von Samuel. Ganz kurzfristig hatten wir uns dafür entschieden, dort unsere Tour zu starten. Noch im Zug rufe ich im dortigen Rathaus an, weil es im Internet heißt, Zelten und Lagerfeuer sei am Drachensee grundsätzlich erlaubt, man brauche aber eine Genehmigung dafür. Fast hätte ich die Dame mit der Vorstellung überfordert, dass wir schon heute dort unser Zelt aufschlagen wollen. Dafür brauche sie normalerweise schon ein paar Tage Vorlauf… Sie würde aber gleich alles vorbereiten, wir müssten halt persönlich vorbeikommen, um die Bescheinigung zu unterschreiben und 20 EUR in die Kasse einzuzahlen. What?? Willkommen zurück im analogen Zeitalter und in der Verwaltung, die so etwas wie das Gegenteil der Wildnis ist, die wir eigentlich suchen.

Flüssiges Prana

Gerade noch rechtzeitig – eigentlich sei um halb vier hier schon Schluss, aber sie sei bis 17 Uhr da heute – erreichen wir per Zug und weiter zu Fuß das Rathaus und, vorbei am leibhaftigen Toni Lauerer, das Büro der Dame und schließlich den Mann an der Stadtkasse. Mit der Urkunde der Berechtigung kann unser Abenteuer endlich losgehen. Und nach einer Stunde Fußmarsch bei über 30 Grad Hitze liegt der See vor uns, der erst vor wenigen Jahren durch das Aufstauen des Chamb entstanden ist. Das Freizeitufer ist sehr einladend sowohl zum Zelten wie auch zum Baden. Wir freuen uns, die 20 EUR offenbar gut investiert zu haben und begeben uns ob der Hitze unvermittelt zum Schwimmen in den See – der uns wie flüssiges Prana vorkommt.

Auf in den Wald

Wir genießen das Abendessen, das uns in Form von gegrilltem Haloumi von der Bush-Box her kommt. Auch die Nacht und der Morgen im Zelt direkt am See nähren uns die Seele. Dennoch bin ich froh, dass wir hier nur eine Nacht „gebucht“ haben (jede weitere hätte weitere 10 EUR gekostet), weil mir plötzlich einfällt, dass ein alter Freund von mir hier in der Nähe den Hof seiner Eltern übernommen hat und zu diesem Hof auch Wald gehören dürfte. Wo wir vielleicht für die zweite Nacht unser Zelt aufschlagen dürfen. Tatsächlich ist dies der Fall und Hans empfängt uns an einer Wegkehre, um uns die Möglichkeiten zu zeigen.

„Ich liebe das Leben!“

In der Hand hält er eine Brotzeitdose mit selbstgepflückten Köstlichkeiten: Heidelbeeren, Johannisbeeren, Erdbeeren und einen Maiskolben – Prana pur, würde ich sagen! Der Platz am Waldrand, den er uns dann zeigt, ist erst recht wie ein Prana-Bett für die Seele. So schön der Wald, so toll der Blick auf die ökologische Zone des Sees mit den vielen Wasservögeln… Als wir am Abend dort am Lagerfeuer sitzen und uns wieder über der Bush-Box ein Essen zubereiten, kriegt sich Samuel kaum mehr ein: „Ich liebe das Leben!“, sagte: „Ich lieb es einfach.“

Von wo fließt dir Lebensenergie zu? Wo findest du Prana? Es lohnt sich, einmal bewusst hinzuschauen, was uns nährt. Welches Essen wir zu uns nehmen, das wahre Lebensmittel enthält. Welche Umgebung, welche Menschen, welche Tätigkeiten uns wirklich nähren. Unsere Lebensenergie befeuern. Was also sind deine Energieträger? Am 29. September bieten wir, Nicki und Christian von cordat, mit einem Workshop und am 15. Oktober mit einem Tagesretreat auf Gut Hötzing Gelegenheiten, sich diesen und ähnlichen Fragen zu stellen und sich in den schönen Räumen und der wundervollen Umgebung auch aktiv mit Lebensenergie aufzuladen.

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*Prana ist in der yogischen Philosophie so etwas wie die Lebensenergie. Das, was in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und anderswo „Chi“ heißt – man vergleiche auch das „Qi“ in „Qi Gong“.

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