R.I.P. Sinead O’Connor
Die biographischen Notizen ihres Wikipedia-Eintrags* zeichnen trotz großer Erfolge so etwas wie eine Tragödie von einem Leben. Und doch hat sie Menschen berührt. Mit ihrer Stimme, mit ihren Aktionen und ihrem Protest. Und bei allem Krawall, wollte sie doch dem Frieden ein Werkzeug sein, ein Kanal, „Channel“, wie es im englischen Text des unten abgedruckten Texts heißt…

Ein wildes Leben
Sie war eine Rebellin. Sie lebte ein wildes Leben. Sie litt noch als Erwachsene an den Misshandlungen aus ihrer Kindheit. Sie war rastlos mit ihrem Namen, den sie immer wieder geändert hat, sie war ebenso rastlos in den Religionen unterwegs und mit ihren vier Ehen, aus denen sie vier Söhne hatte. Den Suizid ihres 17jährigen Sohnes konnte sie nicht verwinden und hielt ihr Leben schließlich selbst nicht mehr aus. Möge Sie spätestens jetzt Ruhe finden und zum ewigen Leben erwachen, wie sie es selbst gesungen hat (s.u.).

Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,
Francesco d’Assisi zugeschrieben und von Sinead O’Connor gesungen**
dass ich liebe, wo man hasst;
dass ich verzeihe, wo man beleidigt;
dass ich verbinde, wo Streit ist;
dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;
dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht;
dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;
dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;
dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.
Herr, lass mich trachten,
nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;
nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;
nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.
Denn wer sich hingibt, der empfängt;
wer sich selbst vergisst, der findet;
wer verzeiht, dem wird verziehen;
und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.
Im Dunkel der Nacht ein Licht entzünden

Das Beispiel der kürzlich verstorbenen irischen Sängerin Sinead O’Connor steht in diesen Monaten und Jahren für die nicht Wenigen, die von innen her um ihr Leben ringen. Sie sind körperlich, mental oder emotional geschwächt von privaten oder beruflichen Überforderungen oder von den tiefgreifenden Veränderungen in unserer Gesellschaft, von den Krisen und von der Angst, dass „vielleicht alles erst noch richtig schlimm werden wird“. Sie kämpfen gegen Burnout oder – mit oder ohne psychologische, seelsorgerliche, ärztliche Hilfe oder Begleitung eines Coachs – um einen Weg heraus aus einer Depression. Doch es gibt auch die Fackelträger des Neuen, Menschen, die Hoffnung verbreiten, Energieträger, deren Brennstoff wärmt. Und natürlich gibt es oft nicht die Einen und die Anderen, sondern, Momente, Zeiten, vielleicht ganze Lebensphasen, wo wir im Dunkeln sitzen und Hilfe brauchen und andere Zeiten, wo wir anderen zu Engeln werden und ihnen als Lampe aus der dunklen Höhle in das Licht, die Weite und die Freude am Leben zurückhelfen können.

Kein Leben ist vergleichbar
Kein Mensch ist mit einem anderen vergleichbar. Kein Leben gleicht dem anderen. Dennoch ahmen viele ihre Idole nach, ihre Brüder, Schwestern oder Eltern. Und wir werden auch gerne verglichen: Im Aussehen, im Können, in dem, was wir tun und wie wir sind. Als Mensch mit einem Zwillingsbruder habe ich all das immer wieder auf ganz besondere Weise erlebt. Unsere Bestimmung indes ist eine andere: Originale sein, nicht Gleiche. Unser ganz eigenes Potenzial leben. Erst dadurch werden wir zu dem wahren, authentischen Beitrag für diese Welt, in der wir leben. Sinead O’Connor war so ein Original, soviel steht fest. Mehr noch:
Sinead, du warst einzigartig. Nicht nur aufgrund deiner Stimme warst Du mit nichts zu vergleichen*** und deine Stimme, deine Persönlichkeit werden fehlen!

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* Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Sinéad_O’Connor
** Sinead O’Connor hat dieses, dem Heiligen Franziskus zugeschriebene Gebet, in einer vertonten Version schon 16jährig öffentlich gesungen (zu finden auf YouTube unter dem Titel „Make me a channel of your Peace“ und diesem Link https://www.youtube.com/watch?v=OnhhLWOKUeA)
*** Berühmt wurde Sinead O’Connor mit einer Coverversion eines Liedes von Prince: „Nothing compares to U“ (deutsch: ‚Du bist mit nichts zu vergleichen‘).
